Des Kanzlers Sicherheitslauf

4. Juli 2007, 23:41
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Enorme Polizeipräsenz während der 119. Generalversammlung des IOC

Fast im Halbstundentakt trifft Bundeskanzler Alfred Gusenbauer in Guatemala City Delegierte des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), um ihnen darzulegen, dass Salzburg aus seiner Sicht der beste Kandidat ist. In Summe werden es bis Mittwoch, dem Tag der Vergabe der Winterspiele, 30 bis 40 sein. Salzburgs Team mit Bürgermeister und Bewerbungspräsident Heinz Schaden, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und International Chairman Franz Klammer stellten sich internationalen Medien. Gepriesen wurden die Sicherheit des Landes, die Begeisterung der Menschen, die alpine Schönheit und die großteils fertig gestellten Sportstätten. "Wir werden bis zur letzten Sekunde alles tun", sagt der Kanzler.

Überall Pistolen

Am Sonntag um 6.30 Uhr Ortszeit joggte Gusenbauer. Er wurde von drei Motorrädern, drei Autos und drei mitlaufenden Sicherheitsbeamten während der 65 Minuten begleitet. "Ich war noch nie mit so vielen Menschen bei einem Sicherheitslauf."

Die so genannte Zona 10, eines der relativ sichereren Viertel der Hauptstadt Guatemalas, gleicht in den Tagen der 119. Generalversammlung des IOC einer besetzten Stadt. Alle zehn bis 20 Meter stehen zwei bis drei mit Pistolen bewaffnete Polizisten. Vor dem Hotel Westin Camino Real reiht sich ein Polizeiauto an das andere, in oder vor jedem warten mehrere Beamte.

Überall Blaulicht

Sämtliche Mitglieder der Delegationen Salzburgs, Sotschis und Pyeongchangs, also in Summe mehrere Hundertschaften, werden mit gemieteten Fahrzeugen vom Flughafen abgeholt. Jedes von ihnen wird von einem Polizeiwagen mit Blaulicht eskortiert. Alleine die Salzburger Delegation verfügt über neun Autos.

Die Vorsichtsmaßnahmen scheinen begründet. Gabriel Quinonez, der in Guatemala City aufgewachsen ist und in die österreichische Schule geht, erzählt, dass die Einheimischen stets mit der Angst vor den Banden, Maras genannt, leben. "Wenn es eine Party gibt, muss ich mir sehr gut überlegen, ob ich hingehe, weil es immer gefährlich ist."

Überall Angst

Zahlreiche Banden treiben ihr Unwesen, erpressen Schutzgeld und überfallen öffentliche Busse oder Menschen auf den Straßen. "Es gibt nicht einmal einen Unterschied zwischen Tag und Nacht." Einige der Gangs zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich für jeden Getöteten eine Träne ins Gesicht tätowieren. Andere haben sich dem Satanismus verschrieben, als Aufnahmeritual muss dabei ein kleines Mädchen geopfert werden, so Quinonez. Jeder Weg müsse mit Angst zurückgelegt werden, aber es gebe keine andere Möglichkeit. Die Bilanz von offiziell 5338 Morden im Jahr 2005 sei laut Quinonez zu relativieren, weil es zusätzlich noch eine große Zahl verschleppter Menschen gebe. (red, APA, DER STANDARD Printausgabe 3. Juli 2007)

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    In Guatemala City wimmelt es in diesen Tagen von Sicherheitskräften. Alle zehn bis 20 Meter sind Bewaffnete postiert.

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