Front National will Parteisitz teilweise vermieten

3. Juli 2007, 14:34
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FN-Chef Le Pen will dem Beispiel der Kommunisten folgen

Paris - Nach den französischen Kommunisten (PCF) denkt nun auch die rechtsextreme "Front National" (FN) daran, einen Teil ihres Parteisitzes zu vermieten, um die Finanzkrise nach der jüngsten Wahlschlappe zu überwinden. "Das ist eine Lösung, die angewendet werden könnte, wenn es ökonomisch möglich ist", erklärte FN-Chef Jean-Marie Le Pen in einem Video auf der Homepage seiner Partei.

Im Gegensatz zur KP "steht die FN allerdings nicht mit einer Serie von Institutionen in den Regionen und Departements in Verbindung", gab Le Pen zu bedenken. Daher könne es schwierig sein, geeignete Mieter zu finden. Der Sitz der "Front National" befindet sich in einem 5.200 Quadratmeter großen Gebäude in Saint-Cloud am südwestlichen Stadtrand von Paris, das auf Grund seiner schiffähnlichen Form "Paquebot" ("Ozeandampfer") genannt wird. Seit sich Le Pens ehemalige rechte Hand Bruno Megret mit einigen Parteifunktionären im Jahr 1999 von er "Front National" abgetrennt hatte, ist der FN-Sitz unterbesetzt.

Die 1972 gegründete rechtsextreme Partei ist mit einer Verschuldung von acht Millionen Euro konfrontiert. Zumal sie bei der Parlamentswahl vom 17. Juni nur 4,3 Prozent der Stimmen erhalten hat, blieb sie von der vollständigen Rückvergütung der Wahlkampfspesen ausgeschlossen, da dafür laut Wahlgesetz 5 Prozent nötig sind. Vor zwei Wochen hat die Partei die Spendenaktion "SOS Front National" gestartet. Wieviel Geld diese bisher einbrachte, wollte Le Pen nicht sagen. "Ich hoffe, dass der kleine Bach, der am Tag meines Appells gestartet ist, zu einem Fluss und dann vielleicht zu einem großen Strom wird", so der 78-jährige FN-Chef, der "auf jeden Fall" einen Verkauf des Parteisitzes ausschloss.

Die PCF, die bei den Parlamentswahlen 4,9 Prozent der Stimmen erhalten hatte und ebenfalls mit acht Millionen Euro verschuldet ist, kündigte die Vermietung von zwei Etagen ihres Parteisitzes in Paris und den Verkauf des Redaktionsgebäudes der kommunistsichen Tageszeitung "L'Humanite" in Saint-Denis nördlich von Paris an. Die Zeitung, die gegenwärtig nur noch 52.500 Exemplare am Tag verkauft, befindet sich ebenfalls in einer tiefen Finanzkrise. (APA)

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