Regierung jubelt über Arbeitsmarktdaten

31. Juli 2007, 10:45
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Viertniedrigste EU-Arbeitslosenrate - Molterer: Zumutbarkeit bei Jobsuche ändern

Graz/ Wien - Ein ungewohntes Bild: Die Regierung ist einhellig mit sich zufrieden. Die Ursache für die atmosphärische Aufheiterung sind die neuen Arbeitslosenzahlen. Am heimischen Arbeitsmarkt sei "die Trendwende geschafft", interpretierte Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer am Montag in Graz die nun vorliegenden Arbeitsmarktdaten für den Juni.

Demnach waren im Juni 183.644 Arbeitssuchende registriert, dies entspricht einem Minus von 6, 5 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres. Mit 4,4 Prozent nach Eurostat verfügt Österreich EU-weit nach den Niederlanden, Dänemark und Irland über die viertniedrigste Arbeitslosenrate. Mit 3,366 Millionen Beschäftigten sei ein "absoluter Österreich-Rekord" erzielt worden, sagte Molterer. In fünf Bundesländern - Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Niederösterreich - sei mit einer Arbeitslosenquote unter vier Prozent bereits Vollbeschäftigung erreicht worden. Die Steiermark "schramme" mit einer Quote von 4,4 Prozent ebenfalls bereits "knapp an der Vollbeschäftigung vorbei", sagte Arbeitsminister Martin Bartenstein, der mit Molterer die neuen Daten im AMS Steiermark präsentierte.

Wien (6,7 Prozent) bleibt mit Kärnten (5,0 Prozent) am obersten Ende der Arbeitslosenstatistik.

Was er, als Arbeitsminister, bei all den optimistischen Tönen aber einen Jobsuchenden beim AMS sagen würde? Bartenstein: "Die Chance auf einen Job sind jetzt besser als vor sechs Jahren." Aber dennoch: Vizekanzler Molterer will die Zumutbarkeitregelungen im Arbeitsmarkt offensiv diskutieren. Dass ein Arbeitnehmer aus dem oberösterreichischen Rohrbach etwa nach Linz einpendle, werde als selbstverständlich betrachtet. Anders stelle sich aber die Situation dar, wenn jemand aus Linz - oder einer anderen österreichischen Stadt ins Umland auspendeln müsste. Molterer: "Ich will diese Frage jetzt offen ansprechen."

Für die von Molterer proklamierte "Trendwende" am Arbeitsmarkt möchte natürlich auch die SPÖ einen Teil der Verantwortung übernehmen. "Das ist ein Erfolg der neuen Regierung. Der Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik hat den entscheidenden Impuls gebracht", sagte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina. Es mangle allerdings noch an der Ausbildung von Fachkräften. Eine Meinung, der sich auch die Arbeiterkammer anschloss. Der ÖGB forderte sogar eine verbriefte Ausbildungsgarantie für Jugendliche.

Unzufrieden über die Arbeitsmarktentwicklung zeigten sich die Grünen und die FPÖ. Die FPÖ zweifelte die "Jubelmeldungen" der Regierung an. Die wachsende Beschäftigung sei "weitgehend auf das Konto der steigenden Anzahl von oft schlecht bezahlten Teilzeit- und McJobs" zurückzuführen. (Walter Müller, DER STANDARD Printausgabe 03.07.2007)

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