In der Arktis trocknen die Seen aus

2. Juli 2007, 23:00
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Forscher über vermeintliche frühere Panikmache: "Heute glauben wir, dass wir noch viel zu optimistisch waren"

Washington/New York - Umweltforscher schlagen Alarm: In der kanadischen Arktis verdunsten durch den Klimawandel Jahrtausende alte Seen und Teiche. Dieser Verlust könnte schwerwiegende Folgen für die Tierwelt haben, warnen kanadische Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (DOI: 10.1073/pnas.0702777104).

Eindeutige Veränderungen festgestellt

Die kleinen Gewässer stellten in einigen Polarregionen die wichtigste Wasserquelle dar. Die Forscher, die am Kap Herschel auf Ellsmere Island seit 24 Jahren Dutzende von Seen studieren, fanden etliche davon im vergangenen Sommer ausgetrocknet und andere dramatisch geschrumpft vor.

In früheren Artikeln, unter anderem im US-Fachjournal "Science", hatten John P. Smol von der Queen's University in Kingston (Provinz Ontario) und Marianne S.V. Douglas von der University of Alberta in Edmonton das Team das Alter dieser Gewässer auf Tausende von Jahren bestimmt. In ihrer aktuellen Untersuchung heißt es nun, dass etliche Seen wegen der Verdunstung in den Sommermonaten ökologisch am Boden und nicht mehr zu retten seien.

Ökologische Bedeutung

Die Seen sind den Forschern zufolge Brennpunkte des Artenreichtums. Sie böten Vögeln, Insekten und vielen anderen Tieren den nötigen Lebensraum. Ihr Rückgang oder sogar Verlust werde sich auf das gesamte Ökosystem der arktischen Landstriche auswirken, schreiben Smol und Douglas. Betroffen sind ihren Angaben nach auch benachbarte Sümpfe. Hätten sie in den 1980er Jahren noch hüfthohen Wasserschutz zum Durchwaten erfordert, seien sie heute teilweise so trocken, dass man sie mit einem einzigen Streichholz anzünden könnte.

"In der Vergangenheit sind Forscher wie wir mit unserer Warnung vor der globalen Erwärmung häufig als Panikmacher verurteilt worden", sagte Smol. "Heute glauben wir, dass wir noch viel zu optimistisch waren. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit denen sich die Umwelt verändert, sind dramatischer, als wir es uns vorgestellt haben." (APA/dpa)

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