"Dunkelblaufastschwarz": Ausgebremste Ambitionen

2. Juli 2007, 18:44
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Filmdebüt aus Spanien: "Dunkelblaufastschwarz": In Spanien wurde Dunkelblaufastschwarz mit drei Goyas, dem wichtigsten Filmpreis des Landes, ausgezeichnet

Wien - Die Rebellion währte nur kurz. Einmal hat Jorge (Quim Gutiérrez) gegen sein Schicksal aufbegehrt und wie ein zorniger junger Mann eine Mülltonne angezündet. Die Aussicht, sein Leben als Hausmeister eines Wohnblocks zu fristen, war für ihn zu deprimierend. Dann erlitt allerdings sein Vater einen Schlaganfall - seitdem ist Jorge nicht nur in dessen Fußstapfen gestiegen, sondern pflegt den Bettlägerigen auch.

Was zunächst wie die Grundkonstellation für ein Sozialdrama wirkt, wird unter der Regie des spanischen Newcomers Daniel Sánchez Arévalo bald zu einem eher skurrilen Personenreigen: Jeder Protagonist von Dunkel-blaufastschwarz (Azul oscuro casi negro) sitzt gewissermaßen in einer anderen Pattsituation fest. Antonio (Antonio de la Torre), Jorges Bruder, beispielsweise im Knast. Dort hat er sich in eine junge Frau verliebt, die von ihm geschwängert werden will, damit sie in den friedlicheren Trakt der Mütter wechseln kann.

Das Problem an der Idee: Antonio ist zeugungsunfähig. Damit sich seine Eroberung nicht einem anderen zuwendet, bittet er nun Jorge, für ihn einzuspringen. Die Dinge kommen somit in Bewegung, allerdings meist so, dass man den schreiberischen Kopf dahinter noch ausmachen kann. Trotz seines Sinns für unkonventionelle dramatische Entwicklungen bleibt Dunkel-blaufastschwarz letztlich doch zu berechenbar: Natürlich hinterlässt der introvertierte Jorge bei der Geliebten seines Bruders Eindruck.

Daniel Sánchez Arévalo spitzt seine Erzählung jedoch auf keine melodramatischen Höhen zu, sondern bewegt sich in sorgfältig komponierten Einstellungen stets ein wenig schlaftrunken durch die Niederungen im Leben von Figuren, die sich nach Besserem sehnen - die Farbe eines schicken, aber unerschwinglichen Anzugs gibt dem Film den Titel. Mit einem Freund hängt Jorge öfters am Dach des Hauses ab. Man weiß nicht genau, ob es ihnen an Ambitionen mangelt oder ob die Arbeitsverhältnisse tatsächlich so düster sind. Ihre Unentschiedenheit gleicht der des Films, der sich auch nicht festlegen will, wie ernst er die Nöte seiner Figuren eigentlich nimmt.

In Spanien wurde Dunkelblaufastschwarz mit drei Goyas, dem wichtigsten Filmpreis des Landes, ausgezeichnet. Obwohl man Sánchez Arévalo inszenatorische Kompetenz nicht abstreiten kann, würde man sich doch wünschen, dass er sich ein wenig deutlicher bekennt: So wird das Engagement des Films für seine lethargischen Außenseiter durch fehlende Perspektiven gedämpft. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 03.07.2007)

  • Ohne Erfolgsaussicht: Jorge (Quim Gutiérrez) und sein Freund träumen in "Dunkelblaufastschwarz" vom Aufstieg.
    foto: polyfilm

    Ohne Erfolgsaussicht: Jorge (Quim Gutiérrez) und sein Freund träumen in "Dunkelblaufastschwarz" vom Aufstieg.

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