Lokführerstreik in Deutschland: Verkehrschaos zu befürchten

2. Juli 2007, 18:00
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Am Dienstag von 05.00 bis 09.00 stehen die Züge still - Überfüllte Straßen wahrscheinlich - ÖBB springen mit Personal ein

Frankfurt/Main - Deutschland droht am Dienstag ein Verkehrschaos: Wegen eines massiven Lokführerstreiks müssen sich Millionen Pendler und Reisende der Bahn darauf einrichten, dass zwischen 05.00 und 09.00 von der S-Bahn bis zum ICE die Züge bundesweit stehen. Der ADAC rechnete mit überfüllten Straßen und entsprechenden Staus. Erste Warnstreiks der Eisenbahner am Montag verliefen für die Kunden jedoch glimpflich.

ÖBB: Verspätungen von vier Fernverkehrszügen

Die ÖBB werden auf Zügen zwischen Österreich und Deutschland mit eigenem Personal einspringen. Verspätungen erwarten die ÖBB nur für vier Fernverkehrszüge: Der Euronight 429 von Hamburg und der Euronight 491 von Berlin Wannsee nach Wien West, der IC 111 von München nach Klagenfurt und der IC 390 von Linz nach Frankfurt werden voraussichtlich 60 bis 90 Minuten verspätet sein.

Alle andere Züge aus Österreich nach Deutschland würden mit ÖBB-Personal bis zu den deutschen Zielbahnhöfen geführt, kündigten die ÖBB am Montagabend an. Das kleine deutsche Eck etwa wird ohnehin stets mit dem ÖBB-Personal befahren. Für andere Strecken nach Deutschland werden die ÖBB zusätzliche Mitarbeiter abstellen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Unter anderem werde man mit ÖBB-Bediensteten dafür sorgen, dass die Nord-Süd-Verbindung von München über Tirol nach Italien trotz Streik aufrecht bleibt, erklärte eine Sprecherin in Wien.

Wer dann allerdings auf einen innerdeutschen Zug umsteigen muss, hat mit Verzögerungen zu rechnen, warnen die ÖBB. Voraussichtlich werden morgen zwischen 5 und 9 Uhr alle Triebfahrzeugsführer der Deutschen Bahn bundesweit streiken. Alle Züge im Nah- und Fernverkehr innerhalb Deutschlands werden in diesem Zeitrahmen voraussichtlich nicht fahren. Die ÖBB empfehlen deshalb Reisenden nach Deutschland, die Hotline der Deutschen Bahn unter der Telefonnummer 0049/1805-334444 rechtzeitig zu kontaktieren.

Kampfbereit

Die Gewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL) ließ keinen Zweifel an ihrer Kampfbereitschaft. Gewerkschaftschef Manfred Schell sagte im ZDF, ein wirkungsvoller Arbeitskampf müsse unvermeidlich auch auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden. "Ich wäre ja dankbar, wenn man mir einen anderen Weg aufzeigen würde", aber den sehe er nicht, erklärte der Gewerkschaftschef. Er riet den Reisenden, am Morgen auf Zugfahrten zu verzichten.

Eine GDL-Sprecherin begründete die kompromisslose Position der Lokführer vor allem mit der Tatsache, dass das Fahrpersonal seit der Bahn-Privatisierung im Jahr 1994 einen Reallohnverlust von 9,5 Prozent habe hinnehmen müssen. Die GDL fordert vor allem einen eigenen Spartentarifvertrag, was die Deutsche Bahn AG bisher kategorisch ablehnt. Ferner verlangt sie eine Tarifanhebung bis zu 31 Prozent.

Erhöhtes Verkehrsaufkommen

Ein ADAC-Sprecher sagte, es müsse mit einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen gerechnet werden, "weil die Leute auf Nummer Sicher gehen werden". Keiner wolle zum Bahnhof gehen, um dort womöglich stundenlang zu warten. Der ADAC empfahl den Bürgern, sich in ihrer Stadt eingehend zu informieren, ob möglicherweise andere Verkehrsmittel wie etwa Busse und Straßenbahnen zur Verfügung stehen.

Am Montag mussten Fahrgäste nach den um 08.00 Uhr beendeten ersten Warnstreiks des Bahnpersonals im Fern- und Regionalverkehr noch stundenlang mit Folgeverspätungen rechnen, die aber meist klaglos hingenommen wurden. Betroffen waren der Südwesten, aber auch Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Auswirkungen gab es nach Angaben der Bahn vor allem im Nahverkehr. Von Streikenden behindert wurden vor allem die Bereitstellungswerke, so dass ganz Züge nicht ausfahren konnten.

"Verantwortungslos"

Das für Personal zuständige Vorstandsmitglied der Deutschen Bahn AG, Margret Suckale, bezeichnete die Streikankündigung der Lokführer als "verantwortungslos und völlig überzogen". Der Streik dürfe nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden.

Die Eisenbahnergewerkschaften Transnet und GDBA fordern für die insgesamt 134.000 Bahnbediensteten sieben Prozent mehr Entgelt, mindestens aber 150 Euro. Die Arbeitgeber hatten zuletzt eine Einmalzahlung von 300 Euro sowie Erhöhungen um jeweils zwei Prozent für 2008 und 2009 angeboten. Beide Gewerkschaften sprachen von "Almosen" und kündigten für die ganze Woche Warnstreiks an. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hofft trotz der Arbeitsniederlegungen auf eine schnelle Einigung in den Tarifauseinandersetzungen.

Die Bahn bot indessen an, streikbedingt nicht genutzte Tickets zu erstatten. Außerdem können Fahrgäste, die ihren gebuchten Zug wegen eines Streiks verpassen, den nächstmöglichen benutzen, auch wenn es ein höherwertiger sein sollte.(APA/AP)

Hotline der Deutschen Bahn

Tel. 0049/1805-334444
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