Der Endspurt im dritten Anlauf

4. Juli 2007, 23:41
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Mittwoch wer­den in Gua­temala die Win­ter­spiele vergeben - Salz­burgs Chancen scheinen nicht nur ob des Doping­skandals in Turin klein, Gegner sind Sotschi und Pyeongchang

Guatemala City - Mittwochabend sollen im Salzburger Mirabellgarten, im Pongauer Radstadt sowie im bayerischen Schönau am Königssee tausende Olympia-Fans der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees über die Vergabe der Winterspiele 2014 entgegenfiebern. Während in Schönau, dem potenziellen Austragungsort der Bob- und Rodelbewerbe, und im Pongau, wo der alpine und der nordische Skilauf zu Hause sein sollen, die Stimmung erwartungsvoll positiv ist, merkt man in der möglichen Gastgeberstadt Salzburg nichts von Olympia-Euphorie.

Im Gegenteil. Die gleichgültige bis ablehnende Haltung der Bevölkerung gegenüber der nunmehr dritten Kandidatur in Serie ist eines der größten Hindernisse für die Olympiawerber. Bereits im April 2005 hatten sich im Rahmen einer Bürgerbefragung mehr als 60 Prozent gegen die Bewerbung für 2014 ausgesprochen. Damals konnten sich Landesregierung und Bürgermeister Heinz Schaden nur über Umwege ein "Ja zu Olympia" zimmern. Bei einer gleichzeitig landesweit durchgeführten Abstimmung gab es mehr Pro-Stimmen.

Beinahe zwei Jahre später exakt das gleiche Bild. Nach einer vom IOC durchgeführten Meinungserhebung unterstützen nur 42 Prozent der Stadt-Salzburger die Bewerbung. Im russischen Sotschi sind es 79, im koreanischen Pyeongchang gar 91 Prozent. Schadens Prognose, die Leute würden ab der Nominierung zur Candidate-City quasi von selbst "stolz werden", hat sich nicht bewahrheitet.

Die Skepsis der Salzburger haben sich die politischen wie professionellen Olympiawerber zu einem Gutteil selbst zuzuschreiben. Nach der mit nur 16 Stimmen schmählichen Niederlage bei der Kandidatur für 2010 (für 2006 scheiterte man schon intern an Kärnten) sind manche Geldflüsse rund um die Bewerbung bis heute in einem ungeklärten Graubereich geblieben. Dass Sporthilfe-Geschäftsführer Anton Schutti als Chef der Olympiagesellschaft nach nur wenigen Monaten das Handtuch geworfen hatte, gehört ebenso zur Pannenserie wie der Rückzug des deutschen Sportlobbyisten Fedor Radmann als Salzburger Bewerbungschef "aus Gesundheitsgründen".

Wie zur Bestätigung der Kritiker wurden im Herbst vergangenen Jahres vom IOC die garantierten Einnahmen aus den TV-Rechten reduziert. Eiligst hatten die Salzburger ein 965-Millionen-Dollar-Budget zusammengeflickt. Im IOC-Evaluierungsbericht wurde dieses freilich als zu gering kritisiert. Zum Vergleich: Südkorea geht mit 1,25 Milliarden, Russland gar mit 1,5 Milliarden Dollar ins Rennen. Entsprechend liegt Salzburg im Ranking der drei Kandidaten für 2014 abgeschlagen auf Platz drei.

Mit der Dopingaffäre von Turin, den vom IOC verhängten Strafen und dem folgenden Konflikt zwischen ÖOC und Skiverband haben sich Salzburgs Chancen weiter vermindert. Aus Sicht der für die bei den Wählern nicht allzu beliebten Kandidatur verantwortlichen Landes- und Stadtpolitiker ist der Dopingskandal aber vielleicht sogar ein Glücksfall. Immerhin hätte man, sollte Salzburg in Guatemala den Zuschlag für 2014 nicht erhalten, Schuldige außerhalb des eigenen Wirkungsbereiches. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 3. Juli 2007)

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    Fröhliche Werber in Guatemala City: Chairman Franz Klammer, Bürgermeister Heinz Schaden, Kanzler Alfred Gusenbauer, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (von links).

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