Kampf gegen weltweite Armut droht zu scheitern

9. Juli 2007, 13:32
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UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert mehr Engagement von Industriestaaten - OECD: Österreichische Hilfe gesunken

Genf – Die Welt droht den Kampf gegen die Armut zu verlieren. Sollten die Industriestaaten nicht sofort mehr Geld zur Verfügung stellen, werde es die internationale Gemeinschaft schwer haben, ihre so genannten Millenniumsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen, mahnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einer am Montag veröffentlichten Halbzeitbilanz. Zu den Zielen gehören unter anderem die Bekämpfung von Hunger und Krankheiten sowie der Ausbau des Bildungssystems. In all diesen Punkten bleibt das südliche Afrika auch sieben Jahre nach Verabschiedung des Zeitplans Schlusslicht.

"Weil es in der offiziellen Entwicklungshilfe seit 2004 keinen signifikanten Anstieg gegeben hat, ist es selbst für gut regierte Länder unmöglich, die Millenniumsziele zu erreichen", erklärte Ban. Lediglich fünf Staaten schafften es demnach bisher, die von den UN angepeilten 0,7 Prozent des nationalen Bruttoeinkommens für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen: Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden.

Hilfe durch Österreich um sechs Prozent gesunken

Während die Leistungen der EU-Staaten für die ärmsten Staaten insgesamt im Vorjahr gegenüber 2005 um 2,7 Prozent stiegen, ging die Hilfe durch Österreich laut einer im April veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) um sechs Prozent zurück. Sie lag 2006 bei 1,513 Milliarden US-Dollar (1,132 Mrd. Euro), was 0,48 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) entsprach.

Bei der Umsetzung der insgesamt acht Millenniumsziele sind unterschiedliche Fortschritte zu verzeichnen. Zentral war das Vorhaben, die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, bis 2015 statistisch gesehen zu halbieren. Dem UN-Bericht zufolge ist dies möglich, weil hier die größten Fortschritte gemacht wurden: So lebten 2004 etwa 980 Millionen Menschen – oder 19 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern – von weniger als einem Dollar pro Tag. 1990 waren es noch 1,25 Milliarden oder 32 Prozent.

Nur langsame Verbesserung der Lage Afrikas

Vor allem das rasante Wirtschaftswachstum in Asien kam der Entwicklung zu Gute. Dagegen verbesserte sich die Lage in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, der ärmsten Region der Welt, nur langsam: Hier sank die Zahl der Menschen in extremer Armut im selben Zeitraum auf 41 Prozent von 47 Prozent.

Großen Nachholbedarf attestierten die UN indes im Kampf gegen die hohe Kindersterblichkeit. In Südasien und im südlichen Afrika sei die Zahl unterernährter Kinder anhaltend hoch. Der allgemeine Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen sei eines der Ziele, dessen Umsetzung noch meilenweit entfernt sei, hieß es in dem Bericht weiter. Für die schwarzafrikanischen Länder bleibe zudem der Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria eine der größten Herausforderungen. Und nach wie vor seien generell zu wenig Frauen in Entwicklungsländern berufstätig.

Ban rief insbesondere die acht führenden Industriestaaten (G-8) auf, ihr Versprechen einzulösen, wonach die Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 verdoppelt werden soll. Nur so könnten die Regierungen in den Entwicklungsländern ihre Investitionen auch planen. Die G-8 hatten das Versprechen zuletzt bei ihrem Gipfel in Heiligendamm Anfang Juni bekräftigt. Nichtregierungsorganisationen bemängelten aber, es gebe kaum neue Hilfsangebote an Afrika. Die meisten Zusagen von Heiligendamm spiegelten lediglich die 2005 gemachten Beschlüsse vom Gipfel im schottischen Gleneagles wider. (APA/Reuters)

---> Stichwort: UN-Millenniums-Ziele

Genf/New York – Sieben Jahre nach Verabschiedung der so genannten Millenniumsziele hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Staatengemeinschaft am Montag aufgerufen, mehr Geld für Entwicklungshilfe bereitzustellen. Andernfalls drohe der weltweite Kampf gegen die Armut verloren zu gehen. Im Folgenden eine Übersicht, welche Fortschritte bei den einzelnen Punkten erzielt worden sind und wo es bis 2015 noch Nachholbedarf gibt:

1. Abbau extremer Armut und Kampf gegen Hunger

  • Ziel ist es, die Zahl der Menschen in extremer Armut statistisch gesehen bis 2015 zu halbieren.
  • 2004 lebten 980 Millionen Menschen (oder 19 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern) von weniger als einem Dollar am Tag. 1990 waren es noch 1,25 Milliarden oder 32 Prozent. Geht der Trend so weiter, kann das Ziel den UN zufolge auf globaler Ebene erreicht werden – dank des Wirtschaftswachstums in Asien.

2. Universeller Zugang zur Grundschulbildung

  • Alle Kinder sollen einen Zugang zur Grundschulbildung erhalten.
  • Die Zahl der Eingeschulten stieg in den Entwicklungsländern im Jahr 2005 auf 88 Prozent von 80 Prozent 1991. Laut UN sind in den kommenden Jahren verstärkte Bemühungen nötig, damit alle Kinder in die Schule gehen können, insbesondere im südlichen Afrika.

3. Förderung der Geschlechtergleichheit

  • Frauen in Entwicklungsländern sollen verstärkt in das Berufsleben integriert bzw. die Rolle der Frau soll gestärkt werden.
  • Der Anteil von Frauen an Angestellten außerhalb der Landwirtschaft stieg 2005 auf 39 Prozent von 36 Prozent im Jahr 1990. Der Zugang zum Arbeitsmarkt verbessert sich damit nur langsam.

4. Reduzierung der Kindersterblichkeit

  • insbesondere die Sterblichkeitsrate bei Kindern unter fünf Jahren soll gesenkt werden.
  • Die Sterblichkeitsrate bei den unter Fünfjährigen in Entwicklungsländern fiel 2005 auf 83 von 1000 Geburten. 1990 waren es 106 von 1000. Fortschritte lassen sich regional nicht eindeutig zuordnen. Laut UN gibt es Verbesserungsbedarf im südlichen Afrika, in Südasien wie auch auf ausgewählten ostasiatischen Inseln.

5. Bessere Gesundheitsversorgung für Mütter

  • Ziel ist es, die hohe Müttersterblichkeit in Entwicklungsländern zu senken.
  • Die UN stellten nun fest, dass die Rate in den betroffenen Staaten "inakzeptabel hoch" bleibt. In Schwarzafrika liegt das Sterberisiko in Folge von Komplikationen bei 1:16; in den Industriestaaten liegt das Verhältnis bei 1:3800.

6. Kampf gegen HIV/AIDS, Malaria und andere Krankheiten

  • Die Immunschwächekrankheit HIV/Aids soll wie andere schwere Krankheiten auch eingedämmt werden.
  • Zwar hat sich die Verbreitung von HIV in den Entwicklungsländern insgesamt etwas abgeschwächt, im südlichen Afrika steigt die Zahl der Aids-Toten aber weiter. Die Bemühungen zur Eindämmung von Malaria müssten den UN zufolge ausgeweitet werden. Die Tuberkulose-Fälle haben sich in den meisten Regionen zwar stabilisiert, die Zahl der Neuinfektionen steigt aber wegen des Bevölkerungswachstums.

7. Ökologische Nachhaltigkeit

  • Hier steht eine Verbesserung des Umweltschutzes an.
  • Die Entwicklung ist laut UN alarmierend: Zwischen 1990 und 2005 verlor die Welt drei Prozent ihrer Wälder, hauptsächlich weil in Entwicklungsländern die landwirtschaftlichen Flächen ausgedehnt wurden. Hier sind "beispiellose" Anstrengungen nötig, um Biotope zu erhalten und Ökosysteme zu regulieren. Nach derzeitiger Lage sieht es laut UN auch nicht so aus, als ob das Ziel erreicht werden könnte, dass deutlich mehr Menschen Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen bekommen.

8. Globale Entwicklungspartnerschaft

  • Mit dem Aufbau einer solchen Partnerschaft – unter anderem durch finanzielle Hilfe – sollten Industrie- und Entwicklungsländer enger zusammenrücken.
  • Zwar wurde 2005 ein Rekord von 106,8 Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe verzeichnet. Dies lag aber auch an einem Schuldenerlass für den Irak und Nigeria. 2006 betrugen die internationalen Zuwendungen unterm Strich insgesamt 103,9 Milliarden Dollar, was 0,3 Prozent des kombinierten Nationaleinkommens entspricht. Das eigentlich von den UN ausgegebene Ziel liegt bei 0,7 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung.

(Reuters)

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    Ein Foto aus Simbabwe: Die Wirtschaftskrise hat die Inflation auf einen Weltrekord getrieben (siehe derStandard.at-Schwerpunkt zu Simbabwe).

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