Jazzfestival Montreux: Gut sortiertes Programm trotz Abspeckkur

10. Juli 2007, 19:14
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Mit einem Saal weniger und 32 statt 48 Konzertabenden versucht sich das Jazzfestival Montreux "gesundzuschrumpfen"

Montreux - Das Programm ist dennoch die gewohnt bunte, hochkarätige Mischung. Highlights sind etwa Norah Jones und Tori Amos. 80.000 der 90.000 verfügbaren Tickets sind schon verkauft, und die Veranstalter haben begründete Hoffnung, das erste Mal seit vier Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Neben dem Casino als dritter Bühne wurden auch die Festivalwährung "Jazz" gestrichen und die Getränke verbilligt - Neuerungen, die das Publikum schon lange forderte.

Eröffnet wird das Fest am 6. Juli mit den Chemical Brothers, den Pionieren des Big Beat (die am Mittwoch zuvor noch in Wien spielen). Einen harten Rockabend versprechen tags darauf Heaven and Hell, eine nach 15 Jahren wiedervereinte Black Sabbath-Formation (ohne Ozzy) und deren Special Guests Motörhead. Letztere sind wie ihre Gastgeber schon über 30 Jahre im Heavy-Metal-Business. Die Indie-Rocker Placebo beschließen das erste Wochenende.

Hip-Hop lautet das Thema am 9. Juli im Auditorium Stravinski. Top Act sind die Beastie Boys, die mit ihren 25 Jahren Erfahrung zu den Klassikern des Raps gehören. Gleichzeitig bieten unten in der Miles Davis Hall Chick Corea, Gary Burton und George Gruntz erstklassigen Jazz.

Zu den weiteren Höhepunkten des Festivals zählt der 11. Juli mit der Pianistin und Songwriterin Tori Amos, die vor ein paar Tagen im Zürcher Kongresshaus und zuvor schon in Wien mit ihrem neuen Programm "American Doll Posse" eine atemberaubende Show hingelegt hat. Unterstützt wird sie von der Chicagoer Indie-Band Wilco, die mit "Sky Blue Sky" ebenfalls ein erfolgreiches neues Album hat.

Wohl nicht zufällig am Freitag dem 13. steht eine Woodstock- Legende auf dem Programm: Sly and the Family Stone, vor 20 Jahren aufgelöst. Die Show dürfte eine Zitterpartie für die Veranstalter werden. Sly, der seinen Afro-Look zum blonden Irokesenschnitt umgestylt hat, ist bekannt dafür, Proben zu schwänzen und Auftritte zu verpatzen.

Norah Jones am 17. Juli dürfte dann wieder ein bombensicheres Highlight werden. Die achtfache Grammy-Gewinnerin hat dieses Jahr mit "Not too late" weltweit die Charts gestürmt. Ihr zur Seite steht der junge Alternative-Country-Songwriter M. Ward, der 2006 mit dem Album "Post-War" ein vielbeachtetes politisches Statement abgab.

Tags darauf versammelt der mittlerweile schon 62-jährige irische Folk/Blues/Jazz-Musiker Van Morrison, ein treuer Freund von Montreux, eine illustre Gästeschar um sich, darunter die Funk- Saxofonistin Candy Dulfer und die italienische Rockröhre Gianna Nannini. Mit den Pet Shop Boys stehen am 19. Juli wiederum Pioniere auf der Hauptbühne, diesmal des Elektropop. Ihre Vorgruppe sind die B- 52's, die zu den dienstältesten noch praktizierenden New Wavern gehören. Ihr letztes Album liegt zwar fünf Jahre zurück, doch wollen sie diesen Herbst ein neues aufnehmen.

Grammy-Gewinner und Model-Gatte Seal schließt am 21. Juli das Festival ab. Mit von der Partie ist das Reggae-Urgestein Jimmy Cliff und noch einmal Candy Dulfer am Sax.

Wer von den voraussichtlich 200 000 Festivalbesuchern kein Ticket ergattert, muss nicht unbeschallt nach Hause gehen. Auf über einem Dutzend Freiluft-Bühnen gibt es Gratis-Konzerte. Kenner wissen, dass immer wieder Stars aus dem Hauptprogramm unangemeldet an den Gratis-Konzerten mitjammen. (APA/sda)

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