Atomspezialist Vanunu erneut zu Haftstrafe verurteilt

27. Juli 2007, 14:56
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Sechs Monate wegen Verstoßes gegen Auflagen der Justiz

Jerusalem - Der israelische Atomforscher Mordechai Vanunu muss nach 18 Jahren Haft wegen Geheimnisverrats erneut ins Gefängnis. Ein Gericht in Jerusalem legte am Montag das Strafmaß für Verstöße gegen seine Auflagen auf sechs Monate fest. Die Haft wurde ausgesetzt, um den 52-Jährigen die Möglichkeit zur Berufung zu geben. Vanunu war im April schuldig gesprochen worden, Interviews mit ausländischen Medien geführt zu haben.

Der Forscher hatte 1986 der "Sunday Times" Informationen über den israelischen Reaktor Dimona in der Wüste Negev gegeben und damit die Geheimhaltung um das mutmaßliche militärische Atomprogramm des Landes durchbrochen. Ende September 1986 wurde er von Agenten des Geheimdienstes Mossad von Italien nach Israel entführt und dort vor Gericht gestellt.

Vanunu wurde zu einer Haftstrafe von 18 Jahren verurteilt. 2004 kam er frei. Seitdem darf er weder das Land verlassen noch mit ausländischen Journalisten sprechen. Grund für Vanunus Verurteilung im April waren Interviews mit amerikanischen, britischen, australischen und französischen Medien.

"Es macht niemandem Freude, einen Mann ins Gefängnis zu schicken, der bereits 18 Jahre dort verbracht hat", erklärte Staatsanwalt Dan Eldad am Montag. "Es gab aber keine andere Wahl als diesen Schritt, damit deutlich wird, dass die Nation ihre Geheimnisse und ihre Sicherheit schützen wird."

Vanunus Anwalt Michael Sfard sprach von einer grausamen Strafe, die nichts mit der nationalen Sicherheit zu tun habe. "Es zeigt die Rachsucht des israelischen Staates", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Vanunu selbst erklärte: "Ich will hier nicht leben. Ich habe das Recht, frei zu sein. Ich will frei sein, und ich will gehen."

In den Interviews hatte er erklärt, dass Israel in Dimona Wasserstoff- und Neutronenbomben baue und pro Jahr 40 Kilogramm Plutonium herstelle, genug für zehn Atombomben. Die Aussagen waren im Wesentlichen die gleichen wie 1986. Seit seiner Freilassung hat sich Vanunu für eine Entwaffnung Israels ausgesprochen und dem jüdischen Staat die Existenzberechtigung abgesprochen.

Der zum Christentum konvertierte Forscher sieht auch das Risiko eines "zweiten Holocausts", wenn Israel keine Atominspektionen zulasse und damit die Spannungen in der Region erhöhe. Experten hatten auf Grund von seinen Angaben geschätzt, dass Israel bis zu 200 Atomsprengköpfe besitzt. Das Land hat nie offiziell ein militärisches Atomprogramm bestätigt.

Im Dezember des Vorjahres hatte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bei einem Deutschland-Besuch mit indirekten Anspielungen auf einen möglichen Atombombenbesitz Israels einen großen Wirbel in seiner Heimat ausgelöst. Im Interview mit dem Fernsehsender Sat1 nannte Olmert Israel in einem Atemzug mit den offiziellen Atommächten Frankreich, USA und Russland. Eine Sprecherin des Regierungschefs sagte jedoch, Olmert habe keineswegs den Besitz von Atomwaffen eingeräumt. (APA/Reuters/dpa)

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