Häupl, Pröll & Co. wurden "unwissentlich" zu "Krone"-Werbeträgern

4. Juli 2007, 12:14
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Lowe GGK: "Politiker wurden nicht gefragt - Plakate sind Fotomontagen - Medienanwalt: Verwendung der Bilder "klassischer Missbrauch

Michael Häupl, Erwin Pröll, Josef Pühringer und Jörg Haider sind derzeit auf zahlreichen Plakatwänden in Österreich als Werbeträger für die "Kronen Zeitung" zu sehen. Von seiner Begeisterung für die "beste Zeitung im Land", wie sich das Dichand-Blatt in der Kampagne selbst bezeichnet, dürfte der eine oder andere Landeshauptmann allerdings erst über die Kampagne erfahren haben - die Plakate entstanden nämlich ohne deren Wissen und Zustimmung.

Fotomontagen

Bei den Werbesujets handelt es sich um Fotomontagen, "die Politiker wurden nicht gefragt", hieß es dazu von der zuständigen Werbeagentur Lowe GGK. Für Politiker als Personen des öffentlichen Lebens würde ein anderes Persönlichkeitsrecht gelten, als für den "Normalbürger" - wie etwa die weiteren "Krone"-Werber Karl Heinz Grasser, Helmut Zilk und Andi Goldberger. Die Politiker müssten deshalb vor einer solchen Kampagne nicht informiert werden, ist man bei Lowe GGK überzeugt.

Anders sieht das der Medienanwalt Michael Pilz, der betont, dass auch Politiker Anspruch auf den Schutz ihres Bildes haben, wenn durch die Verwendung "berechtigte Interessen verletzt" werden. "Die Verwendung für Werbezwecke ist ein klassischer Missbrauch", konstatierte Pilz im APA-Gespräch. Das Recht auf das eigene Bild gelte in diesem Fall auch, wenn - wie bei der "Kronen"-Kampagne - das Gesicht nicht vollständig abgebildet ist. "Bei allen Sujets ist deutlich zu erkennen, wer sich hinter der Zeitung versteckt", so Pilz.

Nichts neues

Würden die abgebildeten Politiker gegen ihre unfreiwilligen Werbeaktivitäten Klage einreichen, hätten sie laut Medienanwalt große Aussicht auf Erfolg. Der Kärntner Landeshauptmann Haider fordert mittlerweile von mindestens einer Zeitung eine Gegendarstellung, weil sie ihm unterstellt hat, sich mit der Behauptung die "Krone" sei die "beste Zeitung des Landes" zu identifizieren.

Dass Politiker ohne ihr Wissen zu Werbeträgern werden, ist nichts neues. Im Vorjahr strahlte etwa der damalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel auf McDonalds-Plakaten, wo er mit rot-weiß-rotem Schal und bemalten Wangen für einen WM-Burger warb. Das bekannteste Urteil im Zusammenhang mit verletzten Bildrechten erging vor etwa zehn Jahren in der Causa "Des Kaisers neue Kleider". Damals hatte das "profil" eine Fotomontage eines nackten Männerkörpers mit dem Kopf des damaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky abgebildet - der Oberste Gerichtshof entschied, dass das Magazin den "Bildnisschutz des Urheberrechtsgesetzes" verletzt hat. (APA)

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