Kampf gegen weltweite Armut droht zu scheitern

4. Juli 2007, 17:10
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UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon fordert mehr Engagement von Industriestaaten - OECD: Österreichische Hilfe gesunken

Genf - Die Welt droht den Kampf gegen die Armut zu verlieren. Sollten die Industriestaaten nicht sofort mehr Geld zur Verfügung stellen, werde es die internationale Gemeinschaft schwer haben, ihre so genannten Millenniumsziele bis zum Jahr 2015 zu erreichen, mahnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einer am Montag veröffentlichten Halbzeitbilanz. Zu den Zielen gehören unter anderem die Bekämpfung von Hunger und Krankheiten sowie der Ausbau des Bildungssystems. In all diesen Punkten bleibt das südliche Afrika auch sieben Jahre nach Verabschiedung des Zeitplans Schlusslicht.

"Weil es in der offiziellen Entwicklungshilfe seit 2004 keinen signifikanten Anstieg gegeben hat, ist es selbst für gut regierte Länder unmöglich, die Millenniumsziele zu erreichen", erklärte Ban. Lediglich fünf Staaten schafften es demnach bisher, die von den UN angepeilten 0,7 Prozent des nationalen Bruttoeinkommens für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen: Dänemark, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Schweden.

Hilfe durch Österreich um sechs Prozent gesunken

Während die Leistungen der EU-Staaten für die ärmsten Staaten insgesamt im Vorjahr gegenüber 2005 um 2,7 Prozent stiegen, ging die Hilfe durch Österreich laut einer im April veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) um sechs Prozent zurück. Sie lag 2006 bei 1,513 Milliarden US-Dollar (1,132 Mrd. Euro), was 0,48 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) entsprach.

Bei der Umsetzung der insgesamt acht Millenniumsziele sind unterschiedliche Fortschritte zu verzeichnen. Zentral war das Vorhaben, die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, bis 2015 statistisch gesehen zu halbieren. Dem UN-Bericht zufolge ist dies möglich, weil hier die größten Fortschritte gemacht wurden: So lebten 2004 etwa 980 Millionen Menschen - oder 19 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern - von weniger als einem Dollar pro Tag. 1990 waren es noch 1,25 Milliarden oder 32 Prozent.

Nur langsame Verbesserung der Lage Afrikas

Vor allem das rasante Wirtschaftswachstum in Asien kam der Entwicklung zu Gute. Dagegen verbesserte sich die Lage in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, der ärmsten Region der Welt, nur langsam: Hier sank die Zahl der Menschen in extremer Armut im selben Zeitraum auf 41 Prozent von 47 Prozent.

Großen Nachholbedarf attestierten die UN indes im Kampf gegen die hohe Kindersterblichkeit. In Südasien und im südlichen Afrika sei die Zahl unterernährter Kinder anhaltend hoch. Der allgemeine Zugang zu Trinkwasser und sanitären Anlagen sei eines der Ziele, dessen Umsetzung noch meilenweit entfernt sei, hieß es in dem Bericht weiter. Für die schwarzafrikanischen Länder bleibe zudem der Kampf gegen HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria eine der größten Herausforderungen. Und nach wie vor seien generell zu wenig Frauen in Entwicklungsländern berufstätig.

Ban rief insbesondere die acht führenden Industriestaaten (G-8) auf, ihr Versprechen einzulösen, wonach die Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 verdoppelt werden soll. Nur so könnten die Regierungen in den Entwicklungsländern ihre Investitionen auch planen. Die G-8 hatten das Versprechen zuletzt bei ihrem Gipfel in Heiligendamm Anfang Juni bekräftigt. Nichtregierungsorganisationen bemängelten aber, es gebe kaum neue Hilfsangebote an Afrika. Die meisten Zusagen von Heiligendamm spiegelten lediglich die 2005 gemachten Beschlüsse vom Gipfel im schottischen Gleneagles wider. (APA/Reuters)

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    Ein Foto aus Simbabwe: Die Wirtschaftskrise hat die Inflation auf einen Weltrekord getrieben (siehe derStandard.at-Schwerpunkt zu Simbabwe).

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