Piranha-Schwärme: Schutz- statt Jagdverhalten

9. Juli 2007, 13:45
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Britische Forscher fügen der differenzierteren Betrachtungsweise der vermeintlichen "Killerfische" ein weiteres Detail hinzu

London - In trashigen Filmen und Geschichten dürfen sie Angst und Schrecken verbreiten - dass Piranhas in Wirklichkeit deutlich weniger gefährlich sind, ist aber längst bekannt. Piranhas sind Allesfresser, die sich hauptsächlich von Fischen, Pflanzen und Insekten ernähren, bestätigt Anne Magurran von der schottischen Universität St. Andrews. Und ergänzt dieses differenzierte Bild um ein weiteres nun herausgefundenes Detail: Piranhas bilden hauptsächlich deshalb große Schwärme, um sich vor Angreifern zu schützen.

"Früher glaubten wir, Piranhas bildeten Schwärme, um gemeinsam zu jagen. Jetzt haben wir herausgefunden, dass es hauptsächlich ein Schutzverhalten ist", sagt die Forscherin. Piranhas seien permanenten Angriffen von Flussdelfinen, Kaimanen und Arapaimas (bis zu 2,5 Meter langen Knochenfischen) ausgesetzt. "Ihr vorsichtiges Verhalten verhindert, dass sie aufgefressen werden", so Magurran.

Umweltbedingte Schwarmgröße

Die Forscherin hat gemeinsam mit ihren Kollegen auch die wechselnden Schwarmgrößen der Fische und deren Abhängigkeit von Umweltbedingungen untersucht. Regen- und Trockenzeit sowie die Schneeschmelze in den Anden bestimmen im Amazonas den Wasserstand; die Amplituden betragen bis zu zwölf Meter jährlich. Bei Hochwasser bilden die Piranhas kleinere Schwärme, da es genügend Fluchtmöglichkeiten vor Feinden gibt. Wenn der Wasserstand fällt, werden die Schwärme immer größer: Bis zu 50 Piranhas in einem Schwarm sind dann keine Seltenheit.

Die "Teamarbeit" unter den Piranhas scheint allerdings nicht besonders ausgeprägt zu sein: Ein Schwarm besteht nämlich nicht immer aus denselben Tieren. Die Regel scheint jedenfalls zu sein, dass ältere ausgewachsene Tiere im Schwarm weiter innen schwimmen und jüngere außen. Ein Grund dafür könnte der leichtere Zugang zu Nahrung für die noch nicht ausgewachsenen Tiere sein. (APA/Reuters/red)

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