Mindestlohn: Rund 30.000 Beschäftigte profitieren

2. Juli 2007, 18:47
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Jeder Vollzeitarbeitende bekommt bis 2009 brutto 1.000 Euro, 32 Branchen müssen ihre Löhne nach oben anpassen

Wien - Rund 30.000 Arbeitnehmer werden vom Mindestlohn profitieren. Jeder, der in Österreich Vollzeit arbeitet, bekommt bis 2009 brutto 1.000 Euro Mindestlohn, so ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer, der heute, Montag, bei einer Pressekonferenz die Vereinbarung gemeinsam mit Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl präsentierte. Ein Mindestlohn von brutto 1.000 Euro entspricht einem Nettolohn von 818 Euro für Arbeiter und 820 Euro für Angestellte und liegt damit über der Grundsicherung von 726 Euro.

Nach der Einigung über die Bekämpfung von Sozialbetrug, die Verlängerung der Ladenöffnungszeiten und Arbeitszeitflexibilisierung sei dies nun der 4. Erfolg der Sozialpartner und ein wichtiger Beitrag in Richtung Armutsbekämpfung, so Hundstorfer.

"Nicht ganz leicht gefallen"

"Es ist uns nicht ganz leicht gefallen", so WKÖ-Präsident Leitl zur Einigung. Wichtig sei aber dass es sich in Österreich lohne zu arbeiten und dass das Einkommen deutlich über dem Arbeitslosengeld und der Grundsicherung liege. Er sei überzeugt dass durch offizielle Arbeit Arbeitslosigkeit und das Pfuschertum gesenkt werde. Die Einigung zeige, dass sich die Sozialpartnerschaft in Österreich bewährt habe.

Die Sozialpartner haben die Umsetzung von 1.000 Euro Mindestlohn über das Instrument des Branchenkollektivvertrages vereinbart. Ab 1. Jänner 2008 erfolgt der 1. Schritt. Hier wird für Branchen, die KV-Löhne von mehr als 900 Euro zahlen aber unter 1.000 Euro liegen der Tarif auf 1.000 Euro angehoben. Branchen, in denen in der ersten Jahreshälfte 2007 der letzte Lohnabschluss erfolgte, werden spätestens am 1. Juli 2008 auf 1.000 Euro umstellen. Branchen, deren Bruttolohn derzeit unter 900 Euro liegt, führen spätestens per 1. Jänner 2009 einen Mindestlohn von 1.000 Euro ein. Lohngruppen unter 1.000 Euro dürfen dann nur noch für Lehrlinge und Praktikanten bestehen.

30.000 profitieren

Vom neuen Mindestlohn profitieren insgesamt rund 30.000 Arbeitnehmer, davon sind rund 10.000 nicht im KV erfasst. Gewinner sind vor allem Beschäftigte in den Sparten Gewerbe und Handwerk und in den Industrie-Branchen (Bekleidung, Lederverarbeitung, Glas, Feinkost und Stärkeindustrie), so wie im Handel. Was die freien Dienstnehmer betrifft, werden derzeit Gespräche zwischen den Sozialpartnern geführt.

Bei der kommenden Herbstlohnrunde müsse eine Reallohnerhöhung herauskommen, so Hundstorfer am Montag. Er sei sehr erfreut über die tollen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Davon müsse ein entsprechender Anteil verteilt werden. WKÖ-Chef Leitl sprach sich für stärkere Differenzierung auf KV-Ebene aus. Die Ergebnisse von Klein- und Kleinstbetrieben können nicht mit den glanzvollen Zahlen der Konzerne verglichen werden. Die Herbslohnrunde hat Signalwirkung auf alle weiteren Kollektivvertragsverhandlungen. (APA)

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    ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer (li.) und WKÖ-Chef Christoph Leitl ist die Einigung "nicht ganz leicht gefallen".

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