Wüstenbildung vertreibt bis zu 50 Millionen Menschen

9. Juli 2007, 13:45
7 Postings

UNO warnt vor den Folgen der voranschreitenden Desertifikation in den nächsten zehn Jahren - Zentralasien und Subsahara-Afrika besonders betroffen

New York/Washington - Bis zu 50 Millionen Menschen werden in den kommenden zehn Jahren nicht mehr dort leben können, wo sie jetzt zu Hause sind. Die Zahl wird in den darauf folgenden Jahren allerdings noch weiter ansteigen. Einer der Gründe dafür ist die rasante Ausbreitung der Wüsten - besonders betroffen davon sind die Regionen in Zentralasien und jene südlich der Sahara. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der United Nations University.

Die Studie macht auch klar, dass die Wüstenbildung die größte Umweltherausforderung unserer Zeit ist, berichten die 200 Experten aus 25 Ländern, die an dem Werk mitgearbeitet haben. Der Umweltexperte von BBC-Environment, Matt McGrath, interpretiert die Ergebnisse allerdings noch kritischer: Ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung ist potenziell gefährdet. "Bereits heute sind zwischen 100 und 200 Millionen Menschen von den sich ausbreitenden Wüsten bedroht", schreiben die Autoren. Schuld an der Situation sind extreme Bodenausbeutung und nicht nachhaltige Bewässerung. Verschärfend kommt noch die Klimaveränderung hinzu, zeigen sich die Forscher überzeugt.

"Kettenreaktion"

"Es handelt sich im wahrsten Sinn des Wortes um eine Kettenreaktion, die sich zu einem sozialen Aufruhr weiter entwickelt", so Studienautor Zafaar Adeel. Die am schlimmsten betroffene Region seien die Staaten südlich der Sahara, wo bereits jetzt tausende Flüchtlinge nach Europa drängen. Ähnlich sei es in den früheren Sowjet-Republiken Zentralasiens.

"Von der Situation sind aber auch Staaten in Europa betroffen", meint der Klimaforscher Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. "Im Süden Europas werden die Umweltbedingungen jenen von Nordafrika immer ähnlicher. Betroffen ist ganz Westeuropa, etwa die Iberische Halbinsel, Westfrankreich, große Teile von Italien und Griechenland", erklärt der Klimaexperte. Die Prognosen gehen davon aus, dass sich die Niederschläge in diesen Gebieten im Sommer um die Hälfte reduzieren könnten. Als Beispiel führt Formayer etwa die Niederschlagsmenge von Rom an. "Hier fallen jährlich etwa 800 bis 900 Millimeter Regen. Eine Verminderung dieser Niederschlagsmenge um die Hälfte bringt eine solche Region in arge Bedrängnis." Zudem müsse man noch damit rechnen, dass auch die Verdunstung einen Beitrag dazu leistet. Landwirtschaft zahle sich unter diesen Umständen kaum mehr aus.

Landwirtschaft muss sich umstellen

Von semi-ariden Regionen sprechen die Experten dann, wenn die Verdunstung gleich groß ist wie der jährliche Niederschlag. So könne es zum Beispiel auch keine Grundwasserneubildung geben. "Ein weiteres gravierendes Problem ist die Verlagerung der Niederschläge vom Sommer auf den Winter", meint Formayer. Die besonders dramatische Lage in Spanien, die durch das Schlagen illegaler Brunnen zusätzliche Brisanz erhielt, werde zusätzlich durch die immer geringeren Niederschläge in den Pyrenäen verschärft. "Dadurch kommt es zur Verringerung des Wasser-Nachschubs in Andalusien", erklärt Formayer abschließend.

Abhilfe gebe es nur durch Wiederaufforstungsprojekte und nachhaltigen Landbau. "Die Bauern in solchen ohnehin trockenen Regionen müssten zunehmend auf andere Arten der Bewirtschaftung zurückgreifen", so Adeel. Hier dürfe man sich nicht auf bessere Bewässerungssysteme verlassen. Auch das Pflanzen von Bäumen zur Verhinderung der Wüstenausdehnung sei nicht immer zielführend. "In einigen Fällen brauchen die Bäume einfach viel zu viel Wasser, um wachsen zu können - und gerade an dem mangelt es in den betreffenden Regionen." (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.