Qual der Wahl zwischen Bregenz und Mörbisch

19. Juli 2007, 15:02
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Jubiläen in Mörbisch, Maria Enzersdorf, Gföhl, Erl und St. Margarethen - Neues "Schrammel.Klang.Festival" in Litschau, erstes Musical-Festival in Graz und Musik-Festival Grafenegg

Wien - Theater- und Musik-Fans haben in Österreich über den Sommer einmal mehr die Qual der Wahl. Zwischen Bodensee (die Bregenzer Festspiele bieten heuer u.a. eine neue "Tosca" auf der Seebühne) und Neusiedler See (in Mörbisch, dem "Mekka der Operette", inszeniert Maximilian Schell "Wiener Blut") finden sich Festivalangebote für jeden Geschmack - vielfach unter freiem Himmel. Auffällig sind die vielen Jubiläen: Nicht nur in Mörbisch, wo man "50 Jahre Seefestspiele" und "15 Jahre Intendanz Harald Serafin" begeht, auch etwa in Maria Enzersdorf (25 Jahre), Gföhl (20 Jahre), Erl und St. Margarethen (je 10 Jahre) gibt es Grund zu feiern.

Burg Liechtenstein, Perchtoldsdorf, "Art Carnuntum"

Die von Elfriede Ott geleiteten Festspiele auf der Burg Liechtenstein (19. Juli bis 12. August) feiern ihr erstes Vierteljahrhundert mit Nestroys "Lumpazivagabundus". In Wien-Nähe lockt neben den Opernspielen in Klosterneuburg ("Fidelio", 8. Juli bis 2. August) vor allem der NÖ Theatersommer mit zahlreichen Premieren: In Perchtoldsdorf steht heuer "Faust" auf dem Programm (4. bis 29. Juli), in Reichenau (4. Juli bis 5. August) geht man mit vier Großproduktionen und einem Angebot von Hauptmann, Zuckmayer und Schnitzler bis Hofmannsthal in die bereits 19. Saison. Bei "Art Carnuntum" (21. Juli bis 29. September) gastieren heuer u.a. das Piccolo Teatro di Milano und die Performance-Gruppe Peter Pan aus Irland.

Burgruine Gars, Karl May-Spiele in Gföhl, Festspiele in Winzendorf

Wer die Reichtümer des Waldviertels mit seinen Burgen, Stiften und Klöstern genießen möchte, kann das traditionsreiche Kammermusikfestival "Allegro Vivo" (10. August bis 16. September) besuchen. Dieses Jahr legt man den Schwerpunkt auf nordische Musik. Das "Opern Air" auf der Burgruine Gars lockt heuer mit Giuseppe Verdis "Il Trovatore", Premiere ist am 14. Juli. Beim ersten "Schrammel.Klang.Festival" in Litschau dreht sich von 12. bis 15. Juli alles um die Schrammelmusik. Das Waldviertel ist außerdem Kulisse für einen Bühnen-Western. Die Karl May-Spiele in Gföhl (28. Juli bis 26. August) widmen sich heuer dem Klassiker "Der Ölprinz". Winnetou-Fans können auch die Festspiele in Winzendorf (3. August bis 2. September) oder im Gurktal (14. Juli bis 26. August) besuchen.

Wer sich mehr für klassische Musik als für Indianer begeistern kann, der erhält zu den traditionellen Festivals wie der "Styriarte" (bis 22. Juli), dem Chopin Festival in der Kartause Gaming (16. bis 19. August, Generalthema ist heuer zum 250. Geburtstag von Ignaz Joseph Pleyel "Chopin und Pleyel in Frankreich"), der "Schubertiade Schwarzenberg" (bis 9. September), dem 26. Kammermusikfest im burgenländischen Lockenhaus (5. bis 15. Juli, die diesjährige Generallinie gilt Bartok, Beethoven und dem Baltikum) oder den Konzerten der "Internationalen Sommerakademie Prag-Wien-Budapest" (12. bis 25. August) eine neue Location: 60 Kilometer von der österreichischen Hauptstadt entfernt sind beim Festival im Schlosspark Grafenegg (23. August bis 9. September) auf der neu errichteten "Wolkenturm"-Open-Air-Bühne insgesamt 19 Konzerte, davon zwei Uraufführungen, eingeplant. Unter den internationalen Ensembles und Solisten, die erwartet werden, befindet sich auch das London Symphony Orchestra mit Dirigent Valery Gergiev.

"dornbirn-im-puls"-Theaterfestival, Schlossspiele Kobersdorf

Die Hauptproduktion bei den Opernfestspielen in St. Margarethen gilt heuer Verdis "Nabucco". Ebenfalls im Burgenland ist TV-"Trautmann" Wolfgang Böck Intendant der Schlossspiele Kobersdorf. Premiere des Feydeau-Stücks "Floh im Ohr", übersetzt von H. C. Artmann, ist am 3. Juli. Das "dornbirn-im-puls"-Theaterfestival (16. bis 18. August) oder das Grazer Straßenfestival "La Strada" (27. Juli bis 4. August) wendet sich dagegen an ein Publikum, für das Theater nicht Alltag sondern Abwechslung bedeutet. In der steirischen Landeshauptstadt gibt es heuer mit "Dracula" und Konzerten erstmals ein Musical-Festival (9. bis 25. August).

Unkonventionell geht es mit dem "unsichtbaren Theater" im Rahmen des "Viertel-Festivals" (bis 16. September), das von der Improvisationsgruppe "Theater im Biss" an öffentlichen Schauplätzen angeboten wird, beim oberösterreichischen "Festival der Regionen" (bis 8. Juli) oder Franzobels "Zipf" in Wolfsegg im Hausruck (19.7. bis 5.8.) zu, wo man versucht, an den Erfolg von "Hunt" anzuschließen.

Der Kultursommer in Oberösterreich ist reichhaltig. Neben den Donaufestwochen im Strudengau (27. Juli bis 15. August) gibt u.a. die Mühlviertler Festspiele in Schwertberg (20. bis 29. Juli), wo Theaterstücke wie Werner Schwabs "Die Präsidentinnen" und ein von Josef Hader gestalteter Bernhard-Abend geplant sind, sowie die Gmundner Festwochen (13. Juli bis 14. September) mit einem viertägigen Peter-Handke-Schwerpunkt. Das "Salzkammergut Mozartfestival" mit Spielstätten in Hallstatt und Bad Goisern erwies sich im vergangenen Mozartjahr als so erfolgreich, dass man heuer vom 21. Juli bis 31. August eine zweite Auflage mit großen Opernklassikern wie "Cosi fan tutte" auf die Beine stellte. Die Salzburger Festspiele bieten dagegen heuer von 27. Juli bis 31. August in ihrem wie immer höchst umfangreichen Programm "eine kleine Mozart-Diät" (Intendant Jürgen Flimm).

Burg Feistritz, Festspielen Erl

Auf der Burg Feistritz steht bei den 4. Hagen-Open (19. bis 21. Juli) neben Kompositionen von Schumann, Brahms und Beethoven auch Molieres "Der Bürger als Edelmann" auf dem Programm, auf der Heunburg bei Völkermarkt (19.7. bis 1.9.) beleuchtet das Stück "Nordost" von Torsten Buchsteiner den tschetschenischen Terroranschlag auf das Musicaltheater in Moskau. In Tirol sorgen neben den Festspielen Erl (von 5. bis 28. Juli mit einem 7-teiligen Wagner-Projekt) vor allem die Volksschauspiele in Telfs (26. Juli bis 1. September) und der Tanzsommer Innsbruck (noch bis 8. Juli) für sommerliche Kulturhighlights.(APA)

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