Dt. Telekom Victory-Zertifikat: Der Weg zum Ziel ist noch zu weit

3. Juli 2007, 05:00
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Damit der Victory-Mechanismus des Zertifikats von Sal. Oppenheim aktiviert wird, muss die Telekom-Aktie noch mächtig steigen - von Christian Scheid

Victory-Zertifikate brachte Sal. Oppenheim erstmals im Juli 2005 an den Markt. Knapp zwei Jahre sind inzwischen vergangen – und es ist ruhig um diese Sonderform geworden. Auch die Kölner haben das Thema nicht weiterverfolgt: Nach den Erstemissionen, die sich auf den EURO STOXX 50 bezogen und später um drei Papiere auf Einzelaktien ergänzt wurden, kam keine weitere Emission an den Markt. Das maßgebliche Plus der Struktur: Sie ermöglicht positive Renditen in fallenden und in steigenden Märkten. Dazu muss allerdings zunächst eine „Lock in“-Schwelle erreicht werden. Ist diese Hürde, die dann dem Mindestrückzahlungsbetrag entspricht, aktiviert, greift der „Victory“-Mechanismus. Investoren partizipieren dann „eins zu eins“ an weiteren Kursbewegungen des Basiswerts – egal, ob nach oben oder nach unten.

Sollte die „Lock in“-Hürde während der Laufzeit jedoch nicht erklommen werden, drohen dem Anleger Verluste, da man am Laufzeitende entsprechend der Entwicklung des Underlyings ausbezahlt wird. Doch diese „Gefahr“ ist bei vier der fünf „Victories“ bereits gebannt, lediglich beim Papier auf die Deutsche Telekom ist die Hürde noch nicht erreicht (ISIN DE 000 SAL 8JD 1). Dessen „Lock in“-Schwelle liegt bei 18,60 Euro. Die T-Aktie steht aktuell aber „nur“ bei rund 13,50 Euro. Die Aktie muss also ca. 38 Prozent steigen. Und dies halten im aktuellen Umfeld wohl nur die größten Optimisten für realistisch. Daher raten wir auch hier derzeit nicht zum Einstieg. Nun könnte man zweifelsfrei denken, dass vielleicht ein Einstieg bei „Victories“ sinnvoll sein kann, die die Hürde bereits genommen haben. Denn hier profitiert man dann an allen Bewegungen ab dem „Lock in“-Niveau. Die dauerhafte Hausse der letzten Jahre hat dieser Theorie jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bestes Beispiel dafür ist das Produkt auf Thyssen Krupp (ISIN DE 000 SAL 8JE 9). Die „Victory-Hürde“ bei 20,80 Euro wurde längst massiv übertroffen: Die Aktie notiert aktuell bei rund 42,70 Euro und hat damit einen Abstand von mehr als 50 Prozent aufgebaut. Somit ist dieser „Victory“ de facto ein klassisches „Long“-Investment auf den Basiswert, bei dem jedoch die Dividenden verloren gehen. Dies ist auch am Kurs des entsprechenden Zertifikats ablesbar, welches fast „eins zu eins“ mit dem Basiswert nach oben stieg. Und trotzdem bleiben hier erhebliche Risiken: Sollte nämlich die Stahl-Aktie bis zum Laufzeitende im August 2010 deutlich abrutschen und dann im Bereich von 20,80 Euro notieren, sind die schönen Kursgewinne wieder dahin. Wer investiert ist, sollte daher Gewinne sichern.

ZJ-Fazit: Die Victory-Zertifikate sind aktuell für Neuengagements ungeeignet. Das Zertifikat mit dem Basiswert Deutsche Telekom hat noch einen zu weiten Weg bis zur „Lock in“-Schwelle – bei den anderen vier Papieren ist die „Lock in“-Schwelle schon zu deutlich übertroffen. Aber vielleicht wäre gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für neue Emissionen: Schließlich sind die Märkte noch in einem intakten Aufwärtstrend, dessen Ende mittelfristig erreicht sein sollte. Dazu dürfen jedoch die „Lock in“-Schwellen nicht zu weit vom aktuellen Niveau entfernt liegen, da sonst aus einem „Victory“ schnell ein „Loser“ werden kann.

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