Irak wird zum US-iranischen Schlachtfeld

3. Juli 2007, 15:30
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US-Armee in Bagdad: Iraner mit Billigung Khameneis an Gewalt im Irak beteiligt

Bagdad/Wien – Der Irak droht immer mehr zum Schlachtfeld einer iranisch-amerikanischen Auseinandersetzung zu werden. Die US-Armee in Bagdad präsentierte am Montag neue Erkenntnisse über die Ausbildung irakischer schiitischer Milizionäre in drei Trainingscamps bei Teheran, jeweils zwanzig bis sechzig Iraker sollen sich dort aufhalten, sagte US-Militärsprecher Kevin Bergner.

Die iranischen Irak-Einsätze lägen in der Hand der Al-Kuds-Einheiten, die fallweise mit der libanesischen Hisbollah zusammenarbeiten, die ebenfalls im Irak präsent sei – ein Hisbollah-Mitglied, Ali Mussa Daqduq, wurde im_März im Irak verhaftet und seitdem befragt. Bergner erklärte weiter, dass laut Geheimdienstinformationen die iranische Führung von den Einsätzen der Al-Kuds-Einheiten, die direkt Revolutionsführer Khamenei unterstehen sollen, informiert sei. Auf Anfrage sagte Bergner außerdem, dass er sich nicht vorstellen könne, dass Khamenei nichts von den iranischen Aktivitäten im Irak wisse.

Nicht zum ersten Mal gehen die USA mit Informationen an die Öffentlichkeit, die die Verwicklung Teherans in die Gewalt im Irak belegen sollen. Dass sich die Iraner im Irak zur Durchsetzung ihrer Interessen auch Gruppen abseits der politischen Legalität bedienen, daran besteht wohl kein Zweifel. Umgekehrt werden sie auch von manchen irakischen Gruppen direkt zur Intervention "eingeladen".

Mit den Details ist es jedoch nicht so einfach: Abgesehen davon, dass so hochpolitische Wertungen wie die über die Involvierung der iranischen politischen Ebene aus dem Mund eines US-Militärsprechers eher deplatziert sind – aber was den Iran betrifft, geht eben alles durcheinander – , ist auch das allgemeine Zutrauen in die US-Geheimdienstinformationen nicht überwältigend: Zu sehr stützen sich die USA auf die oppositionellen iranischen Mudjahedin-e Khalq, die, einst mit Saddam Hussein verbandelt und mit einer eigenen Agenda, nun auf US-Fürsprache hin im Irak geduldet werden und dafür prinzipiell liefern, was man von ihnen erwartet.

Aber, genauso wie es in der Türkei keine einheitliche Linie zu der Frage gibt, ob man die PKK-Problematik im Nordirak militärisch lösen soll, so differenziert sind die Meinungen im Iran, wie man mit der – durch UNO-Resolutionen gedeckte, und das ist natürlich der Unterschied – Präsenz der US- und britischen Armee im Irak umgehen soll. Der Irak ist somit nicht nur Schauplatz einer iranisch-amerikanischen oder auch einer iranisch-arabischen Auseinandersetzung (aus Basra vertriebene Sunniten wurden pauschal als "saudi-arabische Agenten" bezeichnet), sondern auch einer der iranischen Fraktionen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 3.7.2007)

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