"Der Anreiz sollte kein finanzieller sein"

19. Juli 2007, 10:04
116 Postings

Frauenministerin Bures will mit dem Kindergeld "Neu" auch Papas "gewinnen" - so wie Christian Duffek, einen der 69 Kindergeld-Bezieher im Burgenland

"Der Anreiz sollte prinzipiell einmal kein finanzieller sein. Sondern der, dass man mit seiner Familie mehr Kontakt haben will.", sagt Christian Duffek. Der 46-Jährige zählt zu den drei Prozent der Männer, die im Burgenland Kindergeld beziehen. Mit derStandard.at diskutierte er über die Vor- und Nachteile. "Finanziell ist es natürlich schon ein Wagnis. Das ist eine Frage des Anspruchs, die jeder selbst beantworten muss.", sagt er. Frauenministerin Doris Bures hofft mit dem Kindergeld "Neu"-Paket Männern ein finanzielles Zuckerl bieten zu können, vermehrt in Karenz zu gehen. Die wichtigsten Punkte des Paketes sind die Flexibilisierung von Bezugsdauer und Höhe und die Anhebung der Zuverdienstgrenze. Das Paket tritt mit 1. Jänner 2008 in Kraft.

Schlusslicht: Vorarlberg

Insgesamt beziehen in Österreich derzeit 105.377 Menschen Kindergeld, davon 102.620 Frauen, 97,4 Prozent und 2.757 Männer, 2,6 Prozent. Die wenigsten männlichen Bezieher leben in Vorarlberg, nämlich 60, die meisten in Wien mit 985 Männern. "Ich glaube ja, dass viele Männer von dem Angebot des Kindergeldes gar nichts wissen." sagt Duffek. "Zunächst sollte man mehr Aufklärung leisten. Aber für viele Männer ist es vielleicht ein Image-Problem. Das Männerbild ist immer noch ein anderes, als zuhause bei den Kindern zu sein."

Ministerin Bures sieht hier einen hohen Aufholbedarf. "Wir müssen die Männer stärker motivieren, sich der Kinderbetreuung zu widmen. Wenn sie das tun, werden sie einen Gusto bekommen. Es ist ja eine große Bereicherung zu sehen, wie sich das eigene Kind entwickelt." Für Duffek war es eine einfache Entscheidung in Karenz zu gehen. "Ich wollte möglichst wenig arbeiten um möglichst viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Das sind schließlich die Menschen, mit denen ich am liebsten zusammen bin."

Dunst: Herausforderung für die Arbeitsmarktpolitik

Für die burgenländische Frauenlandesrätin Verena Dunst ist es eine Frage des Einkommens, welcher Partner sich für das Kindergeld entscheidet. Die Einkommensgerechtigkeit sei deshalb eine große Herausforderung für die Arbeitsmarktpolitik. Derzeit seien im Burgenland 18.100 Frauen Teilzeit und rund 3.900 geringfügig beschäftigt. Unabhängig davon, ob die Frauen jedoch Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, gelte es Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, so Dunst.

Bei Christian Duffek war seine Karenz eine Chance für seine Frau. "Das ich zu Hause war, hat ihr die Möglichkeit gegeben zu arbeiten und darüber ist sie sehr glücklich. Anders wäre es auch gegangen, aber so ist es besser. Weil man einander bei diversen Dingen noch mehr unterstützen kann."

Während derzeit nur rund drei Prozent der österreichischen Väter Kinderbetreuungsgeld beziehen, soll sich dieser Anteil laut Bures in "einem ersten Schritt" verdreifachen. "Es wäre ein toller Fortschritt, wenn wir auf mehr als zehn Prozent kommen", so Bures. Duffek würde auf jeden Fall wieder in Karenz gehen. "Ich bin immer noch viel zuhause, obwohl ich jetzt wieder arbeite. Ich versuche mehr da zu sein, auch wenn ich kein Karenzgeld mehr kriege, weil wir dadurch ein sehr angenehmes, harmonisches Leben führen." (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 2.7.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lediglich 2,6 Prozent der österreichischen Männer sind momentan in Karenz - Frauenministerin Bures will mittels ihres neuen Pakets die Zahl auf zehn Prozent erhöhen.

Share if you care.