Lauf-Eskorte für den Kanzler

2. Juli 2007, 21:51
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Alfred Gusenbauer joggt in Begleitung durch Gua­temala-Stadt - "Zona 10" als Hochsicherheits­gebiet - 5.338 Morde pro Jahr

Salzburg - Guatemala-Stadt Anfang Juli 2007: Die Zona 10, eigentlich eines der sichereren Viertel der Hauptstadt des mittelamerikanischen Staates, gleicht einer besetzten Stadt. Alle zehn bis 20 Meter stehen zwei bis drei mit Pistolen bewaffnete Polizisten. Und vor dem Hotel Westin Camino Real reiht sich ein Polizeiauto an das andere, in oder vor jedem warten mehrere Beamte. Aber das ist nur derzeit so: Das Internationale Olympische Comitee (IOC) hält hier seine 119. Generalversammlung ab.

Sämtliche Mitglieder der Delegationen Salzburgs, Sotschis (Russland) und Pyeongchangs (Südkorea), also in Summe mehrere Hundertschaften, werden mit gemieteten Fahrzeugen am Airport abgeholt, jedes von ihnen wird von einem Polizeiwagen mit Blaulicht eskortiert. Alleine die Salzburger Delegation verfügt über neun Autos, "und die sind pausenlos im Einsatz", wie eine Mitarbeiterin von Salzburg 2014 schildert.

"Normalerweise gehe ich mit einem Freund laufen"

Und als sich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer am Sonntag um 6:30 Uhr zum morgendlichen Lauf auf den Weg macht, wird er von drei Motorrädern, drei Autos und drei mitlaufenden Sicherheitsbeamten während der 65 Minuten begleitet. "Ich war noch nie mit so vielen Menschen bei einem Sicherheitslauf", sagte der Kanzler. "Normalerweise gehe ich mit einem Freund laufen", so Gusenbauer, dem der Sicherheitsaufwand "viel zu übertrieben" vorkommt. "Ich habe mich noch nie an einem Ort der Welt gefürchtet."

Doch die Vorsichtsmaßnahmen scheinen durchaus begründet. Gabriel Quinonez, der in Guatemala-Stadt aufgewachsen ist und in die österreichische Schule geht, erzählt, dass die Einheimischen stets mit der Angst vor den Banden, Maras genannt, leben. "Wenn es eine Party gibt, so muss ich mir das sehr gut überlegen, ob ich hingehe, weil es immer eine große Gefahr ist."

5.338 Mordopfer/Jahr

Zahlreiche Banden machen das Leben zur Hölle, erpressen von Geschäftsbesitzern Schutzgeld und überfallen ständig öffentliche Busse oder die Menschen auf den Straßen. "Es gibt nicht einmal einen Unterschied zwischen Tag und Nacht." Einige der Gangs zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich für jeden getöteten Menschen eine Träne ins Gesicht tätowieren.

Jeder Weg hier müsse mit Angst zurückgelegt werden, aber es gebe keine andere Möglichkeit. Die Bilanz von offiziell 5.338 Morden im Jahr 2005 sei laut Quinonez zu relativieren, weil es zusätzlich noch eine große Zahl verschleppter Menschen gebe.(APA)

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    Militärpolizei wohin das Auge sieht.

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