Zwei Tote bei Arbeitsunfall in Feldbacher Lederfabrik

3. Juli 2007, 11:00
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Tödliches Gas in Sickergrube - Ein Schwerverletzter

Feldbach - "Es ist niemand da", sagte die Dame, die sich bei der Lederfirma Lindenau & Lindenau GmbH am Montagvormittag am Telefon meldete, hörbar verstört.

Drei Arbeiter der Lederfirma waren in der Früh von der Feuerwehr bewusstlos aus der Sickergrube geborgen worden. Um 8.20 Uhr wurden Einsatzkräfte über das tragische Unglück informiert. Zwei Männer konnten vom Roten Kreuz, das sofort mit der Reanimation begonnen hatte, nicht mehr gerettet werden, sie verstarben noch am Unfallort.

Der dritte Arbeiter, ein 60-jähriger Feldbacher, wurde mit dem Rettungshubschrauber Christophorus 12 ins Landeskrankenhaus Graz gebracht. Laut Polizei ist sein Zustand kritisch, er befindet sich in der Druckkammer. Zu den Verunglückten gehört auch der 49-jährige Firmenchef, der dem ersten Arbeiter in die Sickergrube gefolgt war und ihn offenbar bergen wollte. Seine Familie erleidet durch seinen Tod einen weiteren Schicksalsschlag: Vor einem Jahr erst war dessen Vater verunglückt.

Hochgiftiger Schwefelwasserstoff

Todesursache ist laut Landessachverständigen Schwefelwasserstoff. Das hochgiftige Gas, das vergleichbar mit Blausäure ist, kann zwar gerochen werden, es lähmt aber die Geruchsnerven. Vier Atemzüge können tödlich sein.

Die Arbeit im Schacht mit dem Durchmesser von 60 Zentimetern gehört zu den Routinearbeiten und wird fast täglich verrichtet. Die Gerberei-Chemikalien werden in diesem unterirdischen Becken gesammelt und für die weitere Verwendung mit neuen Chemikalien aufgearbeitet. Der erste Arbeiter war vermutlich hinabgestiegen, um Fellreste zu entfernen, damit die Rohre für die Rückführung der Chemikalien nicht verstopft werden, sagte Alois Puntigam von der Bezirkshauptmannschaft Feldbach. Der Abstieg darf nur gesichert erfolgen, was laut Arbeitsinspektorat in diesem Fall nicht geschehen ist.

Die Gerberei Lindenau ist ein kleiner Familienbetrieb und hatte zuletzt zwölf Mitarbeiter. Ein zwölfköpfiges Kriseninterventionsteam ist vor Ort und betreut die Angehörigen und Mitarbeiter. (Marijana Miljkovic/DER STANDARD-Printausgabe, 03.07.2007)

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