Premier Abe kurz vor Wahlen im Umfragetief

24. Juli 2007, 14:25
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Bis 52 Prozent gegen Abes Kabinett - Wirbel um Verteidigungsminister und Fiasko um Erfassung von Millionen von Renteneinzahlungen

Tokio - Gut drei Wochen vor Parlamentswahlen in Japan sind die Umfragewerte für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe auf einem Tiefstand angelangt. Nach am Montag veröffentlichen Umfragen japanischer Tageszeitungen sank die Zustimmungsrate auf bis zu 28 Prozent. Demnach lehnen bis zu 52 Prozent Abes Kabinett ab. Das sind die schlechtesten Umfragewerte seit Abes Amtsantritt im vergangenen September. Vergleichbar schlechte Umfragewerte hatte es zuletzt unter dem von 2000 bis 2001 regierenden Kabinett des in der Bevölkerung unpopulären Ex-Ministerpräsidenten Yoshiro Mori gegeben.

Zu Abes Umfragetief trug unter anderem ein Fiasko um die Erfassung von Millionen von Renteneinzahlungen bei, die die Regierung nicht zuordnen kann. Das Rentenchaos droht sich maßgeblich auf das Wählerverhalten bei den Wahlen zum Oberhauswahl am 29. Juli auszuwirken. Zudem wurde Abe von Skandalen um Mitglieder seines Kabinetts geplagt. Im Mai hatte Agrarminister Toshikatsu Matsuoka, der in einen Korruptionsskandal verwickelt war, Selbstmord begangen. Zuvor hatten zwei weitere Kabinettsmitglieder zurücktreten müssen.

Wirbel um Verteidigungsminister

Für neuen Wirbel sorgte am Wochenende Verteidigungsminister Fumio Kyuma. Er musste sich für seine Bemerkung entschuldigen, die Atombombenabwürfe der USA 1945 über Hiroschima und Nagasaki hätten nach seiner Ansicht dem Zweiten Weltkrieg ein Ende bereitet und den Kriegseintritt der damaligen Sowjetunion gegen Japan verhindert.

Deswegen seien die Atombombenabwürfe nicht zu ändern gewesen, wurde Kyuma von Medien zitiert. Kyuma, der selber aus Nagasaki stammt, handelte sich damit scharfe Kritik auch aus Regierungskreisen ein. Überlebende in Nagasaki forderten ihn auf, einer Friedenszeremonie am Jahrestag des Atombombenabwurfs im kommenden Monat fern zu bleiben. (APA/dpa)

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    Premier Shinzo Abe verbeugt sich, nachdem ein Misstrauensantrag der Opposition im Unterhaus abgelehnt wurde.

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