Echte Strafen für virtuelle Verbrechen

5. Juli 2007, 20:54
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VP-Justizsprecher Donnerbauer fordert Strafen für virtuelle Vergewaltigungen und Kindesmissbrauch in Onlinespielen wie "Second Life"

VP-Justizsprecher Heribert Donnerbauer wünscht sich neue Regeln für Online-Computerspiele wie "Second Life". Die Internetplattform war in den vergangenen Monaten als Schauplatz von Kinderpornografie in die Kritik geraten. Donnerbauer fordert nun strafrechtliche Konsequenzen, wenn dort von Spielern Vergewaltigungen oder Kindesmissbrauch virtuell nachgestellt werde.

Der VP-Politiker sieht die "Gefahr, dass Leute, die krank sind, das so lange ausprobieren, bis sie auch in der Realität den Mut dafür finden". Eine entsprechende Anzeige hat er bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht.

Der rechtliche Hintergrund: "Wirklichkeitsnahe Abbildungen einer geschlechtlichen Handlung an einer unmündigen Person" sind gemäß Paragraf 207a Strafgesetzbuch bereits jetzt strafbar. Offen ist, ob Interaktionen zwischen virtuellen Spielfiguren in "Second Life" von der Justiz als "wirklichkeitsnahe Abbildung" gewertet werden. Donnerbauer sieht dies als gegeben an, sollte die Justiz aber anders entscheiden, müsse eben ein neuer Straftatbestand geschaffen werden.

Handlungsbedarf

Einen Handlungsbedarf sehen offenbar auch die Programmmacher: Der "Second Life"-Entwickler Philip Rosedale hatte kürzlich ein Filtersystem für das Internetspiel in Aussicht gestellt. "Damit soll jede Regierung selbst regeln können, welchen Gesetzen ihre Bürger in ,Second Life' unterliegen", kündigte Rosedale im Nachrichtenmagazin Focus am. So sollen Länder beispielsweise genaue Altersbeschränkungen festlegen und überprüfen können. Damit sollen Regelverstöße von Nutzern erschwert werden.

Selbstkontrolle, wenn auch auf Druck, gibt es auch bei einem anderen Spiel: Der Start des heftig umstrittenen Computerspiels "Manhunt 2" wurde dieser Tage gleich ganz gestoppt. Nach Verboten in Großbritannien, Irland und Italien hat der verantwortliche Spiel-Verlag davon Abstand genommen, das Spiel am 13. Juli auf den Markt zu bringen. Dessen "Inhalt": Der Spieler schlüpft in die Rolle eines psychisch kranken Killers.

Die erste Folge des Computerspiels, das 2003 veröffentlicht wurde, war von der britischen Kontrollbehörde BBFC noch mit der Altersfreigabe ab 18 Jahren eingestuft worden. Die Kontrolleure befanden die zweite Folge aber selbst mit einer solchen Beschränkung als "für die Öffentlichkeit nicht akzeptabel". (APA, red/DER STANDARD; Printausgabe, 2.7.2007)

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    Verlockung in der Onlinewelt von "Second Life": Auch virtuell soll nicht alles erlaubt sein, wird nun gefordert.

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