Abfangerln

6. Juli 2007, 19:25
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"Fangerln" erfreut sich größter Beliebtheit

Wer nicht spielen wollte, spielte "Versteckerln". War das Versteck gut, hatte man ewig seine Ruh'. (Wie das auch in früheren Regierungen der Fall war.) Wer herumhetzen wollte, spielte "Fangerln". Jäger jagen Exjäger. Daran hat sich in 40 Jahren nichts geändert. Das Schöne an dem Spiel: Knapp bevor man erwischt wird, hält man sich wo fest, spricht das Zauberwort "Leo" und erklärt sich damit für unantastbar. "Leo" leitet sich vom Heiligen Leopold, dem Schutzpatron, ab. Wer im alten Wien von der Polizei verfolgt wurde und es bis zum Leopoldi-Denkmal vor dem Stephansdom geschafft hatte, durfte sich angeblich in Sicherheit wiegen.

"Fangerln" erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit - unter Kindern und in höchsten Regierungskreisen. Dort ging gerade "Abfangerln", eine besonders brutale Runde, ins Finale. Alle Parteien hetzten, die SPÖ flüchtete. Molterer, Pröll, Pilz, ja sogar Strache knapp vor dem Abschlag. Darabos wirft sich vor Gusenbauer. Ein Getümmel, ein Desaster. Kalina schreit: "Neutralitätsflieger!" Um Himmels (und dessen Luftraum) Willen - viel zu lang. Cap: "Neutro!" - Knapper, aber auch daneben. Versprochen, gebrochen. "Leo" wär's gewesen. (Daniel Glattauer/ DER STANDARD, Printausgabe, 2. Juli 2007)

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