Reportage: "Seine Haut und Kleider gingen in Flammen auf"

4. Juli 2007, 14:46
24 Postings

Das Attentat am ersten Ferientag führte zu Chaos auf dem Glasgower Flughafen

Es war der erste Ferientag in Großbritannien, und die Behörden am Flughafen von Glasgow hatten sich auf das typische Chaos zum Urlaubsbeginn eingestellt. Doch mit dem Chaos an diesem ganz speziellen Samstagnachmittag hatte niemand gerechnet: Aus heiterem Himmel raste ein grüner Geländewagen auf den Haupteingang der größten Abfertigungshalle zu, stieß gegen die Poller und explodierte.

Wie durch ein Wunder wurde außer einem der beiden Insassen niemand verletzt. Doch der Schock sitzt dennoch tief. Nach dem nun schon dritten, nur durch einiges Glück vereitelten Autobombenanschlags innerhalb von zwei Tagen wächst zwei Jahre nach den blutigen Anschlägen vom 7. Juli 2005 die Angst vor einer neuerlichen Terrorwelle. Damals wurden bei Selbstmordattentaten in der Londoner U-Bahn und einem Bus 52 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt.

Kampf mit Polizei

Von den Ereignissen am Flughafen von Glasgow immer noch erschüttert beschreibt der Augenzeuge Simon Howard im BBC-Fernsehen, wie sich der grüne Geländewagen seinen Weg zur Abfertigungshalle rammte. Er habe noch gesehen, wie der Beifahrer einen flammenden Lappen aus dem Fenster hielt, dann "schnappte ich mir meine Tochter und schrie meiner Frau zu: 'Lauf'", erinnert sich Howard. "Die Poller stoppten den Geländewagen. Wäre er durch den Haupteingang gekommen, hätte er Hunderte getötet", erzählt James Edgar dem Sender Sky News.

Und Stephen Clarkson erinnert sich, wie einer der beiden Insassen des Jeeps vergeblich versuchte, den Kofferraum zu öffnen, während er gleichzeitig mit Polizisten kämpfte. Andere Passagiere wollen gesehen haben, dass einer der beiden mutmaßlichen Attentäter noch versuchte, den Wagen mit Benzin zu übergießen, bevor er von Passagieren niedergeschlagen wurde. "Zuerst war es nur ein kleines Feuer. Doch dann gab es eine riesige Explosion", erzählt Robin Patterson. Der 42-jährige Mann aus der südostenglischen Stadt Rochester erlebte die Explosion aus nächster Nähe, wie er berichtet: "Der Typ neben dem Auto - seine Haut und seine Kleider gingen einfach in Flammen auf. Er rannte weg, war wie wahnsinnig. Er rannte buchstäblich vor der Polizei davon."

Lange Wartezeiten

Viele der 35.000 Passagiere, mit denen die Flughafenverwaltung zum Ferienbeginn gerechnet hatte, waren schon ganz auf ihren Flug in wärmere Gegenden eingestellt, als sie plötzlich so brutal auf den regennassen Boden der schottischen Stadt zurückgeholt wurden. Lediglich mit Shorts, T-Shirts und Turnschuhen bekleidet verließen die Fluggäste vielfach nur zögernd das rauchende Gebäude, während immer noch Flammen am Vordach leckten. Mithilfe von Müllsäcken notdürftig vor dem Nieselregen geschützt, zogen sie zu Fuß zu den nächstgelegenen Hotels, um dort auf eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs zu warten.

Andere mussten derweil in den auf dem Rollfeld gestoppten Maschinen warten, bis die Polizeikräfte endlich Entwarnung gaben. Nach Angaben des Glasgower Polizeichefs Willie Rae war das auch mehrere Stunden nach der Explosion nicht der Fall. (Kieran Dodds aus Glasgow/DER STANDARD, Printausgabe, 2. Juli 2007)

Share if you care.