Georg Staudacher 1965–2007

10. Juli 2007, 19:18
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Der Theaterregisseur, dessen Laufbahn als Elfjähriger am Burgtheater begann, verunglückte in Wien - Er hinterlässt eine kleine Tochter

Wien – Mit seiner leisen, gebrochenen Stimme und seinem melancholischen Blick wirkte Georg Staudacher immer ein wenig verletzt. Als ein stiller, in sportlicher Jugendlichkeit gleichsam konservierter Mensch, der sich in seinen Regiearbeiten aber jene verzehrende Kraft und Geradlinigkeit abverlangte, die das Theater immer wieder in die Höhe reißen kann. Als solcher spielte, schrieb und inszenierte er vor allem in Österreich, auch in der Schweiz (u.a. am Theater Neumarkt in Zürich) und in Deutschland (Stuttgart oder Heilbronn).

2001 im überfüllten Wiener Schauspielhaus: Man hätte nicht gedacht, dass es der Regisseur ist, der bei der Hera Clit-Premiere, in die hinterste Ecke verdruckst, neugierig auf das Bühnengeschehen späht. Georg Staudachers persönliche Zurückgenommenheit, die man aus der Entfernung als Schüchternheit auslegen konnte, war hohe Konzentration. Ein unentwegtes Gedankenwälzen – und Selbstkritik. Für die spätere Volkstheaterinszenierung von Gert Jonkes Die Vögel füllte er gar sechs großformatige Notizblöcke.

Hera Clit: Diese erste, an einem Stück Georg Timber-Trattnigs in Wien erprobte Handschrift Staudachers bestach. Im selben Jahr noch, 2001, richtete der an der Schauspielschule des Volkstheaters ausgebildete gebürtige Wiener im Rabenhof Theater für Wolfgang Bauer mit dessen Café Tamagotchi ein hoch bejubeltes Fest des Trash aus. Dafür erhielt Staudacher den Nestroy-Preis, und die in Wien dauerhaft auf der Lauer liegende Hoffnung auf ein viel versprechendes Regietalent hatte plötzlich einen neuen Namen. Das Rabenhoftheater blieb seine konstante Wiener Wirkungsstätte (u.a. brachte er hier Franzobels Austrian Psycho zum Klingen sowie zuletzt dessen Kinderoper Die Nase).

Staudachers Laufbahn begann bereits als Elfjähriger am Burgtheater, als er sich dort – nach Familie und Freunde begeisternden Heimspielen mit Comicfiguren – im Casting für eine Rolle im Märchenstück Die verzauberten Brüder gegen 60 Mitbewerber durchsetzte. "Seit damals war für mich klar, dass ich Schauspieler werden will", gestand er in einem Falter-Interview.

Ab 1993 arbeitete Staudacher, Absolvent des Theresianums, als Regisseur, obwohl er in der Jörg-Haider-Farce H.J. von Thomas Baum am Phönix-Theater in Oberösterreich, wo er häufig arbeitete, so sehr in der Rolle eines populistischen Politikers überzeugte, dass er von Haider-Fans um Autogramme gebeten wurde.

Am vergangenen Donnerstag noch wurde in Schwanenstadt seine Indien-Inszenierung bejubelt. Eine Nacht später, von 29. auf 30. Juni, soll er, wie die Oberösterreichischen Nachrichten – unbestätigt – melden, aus dem Fenster seiner Wiener Wohnung gestürzt sein. "Fremdverschulden werde ausgeschlossen". Georg Staudacher hinterlässt eine kleine Tochter. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe, 03.07.2007)

  • Regisseur, Schauspieler, Autor: Georg Staudacher.
    foto: newald

    Regisseur, Schauspieler, Autor: Georg Staudacher.

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