Airan Berg verabschiedet sich vom Schauspielhaus

10. Juli 2007, 19:18
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Theaterleiter Berg verabschiedete sich nach sechs Jahren von Wiener Schauspielhaus und wechselt nach Linz

Wien - Es war eine von großen Gefühlen und deutlicher gegenseitiger Zuneigung geprägte Familienfeier, als gestern, Samstag, Abend nach sechs Jahren die letzte Vorstellung der Direktion Airan Berg im Wiener Schauspielhaus über die Bühne ging. Nachdem der famose Jeroen Willems noch einmal sein atemberaubendes Solo "Zwei Stimmen" gezeigt hatte, verabschiedete sich das Ensemble mit kurzen Stücken und Liedern, würdigten einige Redner die vergangenen Jahre und hielt Berg, der aus der Wiener Porzellangasse zum Team der Kulturhauptstadt Linz 2009 wechselt, eine kleine Rückschau auf seine Intendanz, ehe genau um Mitternacht das Licht der Leuchtreklame abgeschaltet wurde. Gefeiert wurde allerdings noch um einiges länger.

"Jetzt kommt dieser schreckliche Moment, vor dem ich mich seit sechs Jahren fürchte", sagte Airan Berg, als er den "Pausenclown" während des Umbaus nach der regulären Vorstellung macht, erstmals wisse er - da Überraschungsprogramm - nicht, was nun auf der Bühne passieren werde, erstmals müsse er, der sich sechs Jahre standhaft geweigert habe, als Redner auf der Bühne das Wort zu ergreifen, zum Publikum sprechen. Immerhin gab es von ihm, während im Hintergrund eine Diashow mit Fotos von Nick Mangafas (die auch in einem großformatigen Rückschau-Buch abgedruckt sind) Bühnenmomente der vergangenen Jahre Revue passieren ließ, einige Takte von "Broadway Baby".

"The only intendant in the cold, cold world"

Im folgenden Abschiedsprogramm hörte man u.a. Kyrre Kvam, Ruth Brauer, Barbara Spitz, Susi Stach, Tania Golden und Daniel Keberle (etwa mit einer neuen Version von Falcos "Jeannie", die Airan Berg als "the only intendant in the cold, cold world" rühmte) und sah Figurentheater-Spieler Christoph Bochdansky im Kampf mit seiner Anima zu. Die nun an der Komischen Oper Berlin tätige ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin Susanne Moser schickte eine Grußbotschaft, Theatermacher David Mayaan (der zuletzt eine überarbeitete Version seines "Familientisch" gezeigt hatte) erinnerte wie die meisten Redner an den Anteil des australischen Theatermachers Barrie Kosky, der die ersten drei Jahre mit Airan Berg gemeinsam das Haus geführt hatte, und hob nicht nur die multikulturelle Ausrichtung des Theaters, sondern auch die große Fähigkeit Bergs hervor, in selbstloser Weise Menschen zusammenbringen: "Viele an diesem Haus kennen einander durch dich!"

Keine Trauer

"Ich bin der, der gekommen ist, ihn zu holen", knüpfte Linz 2009-Intendant Martin Heller an den Falco-Song an, "darum fällt es mir schwer, in die allgemeine Trauer einzustimmen." Vieles, was er an diesem Haus gesehen habe, sei eine Art Versprechen auf 2009. Er schlug dem Schauspielhaus-Publikum vor, in zwei Jahren Linz als neue Heimat anzunehmen. Als ein "wahrhaft internationales, interkulturelles Theater" rühmte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S), der Berg eine große Sacher-Torte und eine kleine Linzer Torte überreichte, das Schauspielhaus, "ihr habt geschafft, uns Dinge zu lehren, uns Dinge sehen zu lassen, die wir ohne euch nicht gesehen hätten". Das Schauspielhaus sei ein Theater gewesen, "das im Wesentlichen auf ganz außerordentlichen Beziehungen von Menschen basiert, die aus allen Teilen der Welt kommen".

Viele Xprache

27 Sprachen seien auf der Bühne gesprochen worden, zählte Berg selbst in seiner Abschiedsrede auf, und musste seine Zählung nach Zurufen aus dem Publikum immer wieder nach oben korrigieren, Menschen aus fast 40 Nationen hätten an dem Theater gearbeitet. "Es war mir immer wichtig, Regisseurinnen und Regisseure zu holen, die Journalisten nicht buchstabieren konnten", schmunzelte Berg. Er hoffe, dass, wenn er nun nach Linz gehe, die nahe Berggasse nicht unbenannt werde, und begrüßte den neuen Theaterleiter Andreas Beck, der das Haus im Herbst wiedereröffnen wird: "Tritt ein in diese, unsere Welt und mach' sie zu deiner eigenen. Du hast die besten Voraussetzungen."

Berg, der vom Kulturstadtrat als "große und wichtige und menschliche Persönlichkeit" gerühmt wurde, bei der man sich überlegen werde, wie man sie nach 2009 wieder nach Wien holen könne, verabschiedete sich mit den Worten: "Die Schlange (das schlangenförmige "S" war Symbol des Hauses, Anm.) geht... In Linz gelingt's... Es war sehr... Es hat mich sehr..." (APA)

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