Deutsche Züge fahren wieder

6. Juli 2007, 12:53
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Nach dem Lokführerstreik in Deutschland rollen die Züge nun wieder, die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn ist auf Schiene

Nach dem flächendeckenden Lokführerstreik am Dienstagmorgen in Deutschland rollen die Züge nun wieder. Wegen eines Lohnkonflikts haben vom frühen Morgen bis am Vormittag sämtliche deutsche Lokführer den Dienst verweigert. Hunderttausende Pendler und Reisende waren betroffen. Sie mussten zum Teil stundenlange Verspätungen hinnehmen. Bahnchef Hartmut Mehdorn bezifferte die Kosten für jeden Streiktag auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Den Streik der Deutschen Bahn haben auch die ÖBB-Kunden zu spüren bekommen. Allerdings sei die ÖBB "glimpflich" davon gekommen, so Konzernsprecher Alfred Ruhaltinger zur APA. In Österreich konnte lediglich eine Verspätung und ein Zugausfall verzeichnet werden. Wegen des Streiks in Deutschland sind die ÖBB mit eigenem Personal eingesprungen. Hunderte zusätzliche ÖBB-Mitarbeiter waren in Deutschland im Einsatz, um den grenzüberschreitenden Bahnbetrieb aufrecht zu erhalten, so Ruhaltinger. Die Kosten seien noch nicht abschätzbar.

Innerdeutscher Verkehr

Im innerdeutschen Verkehr waren von dem Streik der Lokführer neben dem Fern- und Regionalverkehr unter anderem in Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt/Main und München auch der S-Bahnverkehr betroffen. Teilweise kam der deutsche Bahnverkehr komplett zum Erliegen. Auch nach Ende des Arbeitskampfes um 09.00 Uhr kämpfte die Deutsche Bahn mit weiteren Beeinträchtigungen bis in den Nachmittag hinein.

Das befürchtete Chaos auf den deutschen Bahnhöfen blieb am Dienstag aus, offenbar auch, weil die Deutsche Bahn beamtete Lokführer eingesetzt hatte, die nicht streiken dürfen. Zahlreiche Pendler hatten sich nach den Ankündigungen vom Montag wohl auch auf die Streiks eingestellt. Viele Bahnfahrer stiegen auf das Auto um, weshalb der Verkehr dichter als sonst war. Befürchtungen, der Straßenverkehr breche zusammen, bestätigten sich jedoch nicht.

Kostenlose Getränke und Snacks

Während des Streiks versorgte die Bahn auf großen Bahnhöfen die Reisenden mit kostenlosen Getränken und Snacks. Über eine Service-Hotline können sich Kunden rund um die Uhr informieren. Fahrgäste, die an einem Streiktag auf Grund streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen ihre Reise nicht antreten können, haben die Möglichkeit, ihre Fahrkarte kostenlos umzutauschen oder sich den Reisepreis erstatten zu lassen.

Unter dem Druck der massiven Warnstreiks ist Bahnchef Mehdorn unterdessen am Dienstag auf die Gewerkschaften zugegangen: Er lud sie für Donnerstag zu einer neuen Verhandlungsrunde ein. Beteiligt am Warnstreik waren drei Gewerkschaften, neben der GDL die Transnet und die GDBA. Die beiden letzteren verlangen 7 Prozent mehr Entgelt, die GDL neben einem Spartentarifvertrag eine Tarifanhebung bis zu 31 Prozent. GDL-Chef Manfred Schell sagte im Hessischen Rundfunk, bei den Verhandlungen werde über die Forderungen der Transnet geredet. "Wenn er von uns etwas will, dann hat er uns zu einer Tarifverhandlung einladen", erklärte er. Weitere Streiks schloss er nicht aus: "Wir sind darauf eingestellt, notfalls auch länger zu streiken - wenn nötig über Wochen."

Teilprivatisierung

Ungeachtet der Proteste hat sich die deutsche Bundesregierung offenbar endgültig über die geplante Teilprivatisierung der Deutschen Bahn verständigt. Eine letzte Abstimmung des lange Zeit umstrittenen Gesetzentwurfs sei am Montag zwischen den beteiligten Ministerien erfolgt, hieß es am Dienstag aus Regierungskreisen in Berlin. Bis spätestens 2009 sollen demnach bis zu 49 Prozent des Konzerns an den Kapitalmarkt gebracht werden. Das Schienennetz soll der Deutschen Bahn für 15 Jahre zur Bewirtschaftung übertragen werden.

Bahn-Chef Mehdorn soll nach Angaben aus Unternehmenskreisen vor dem Börsengang den weltweiten Auftritt seines Konzerns vereinheitlichen wollen. So solle der Güterverkehr künftig weltweit unter der Marke "DB Schenker" firmieren, die bisher nur für das Speditionsgeschäft von Lkw, Schiff und Flugzeug gilt. Die bisherige Bezeichnung "Railion" für die deutsche Güterbahn, die erst 2003 eingeführt wurde, soll wieder abgeschafft werden. Davor hatte sie "DB Cargo" geheißen. Die Deutsche Bahn strebt einen Börsengang bereits bis Mitte 2008 an. (APA)

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