Zustand Rocards verbessert

5. Juli 2007, 14:22
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Expremier erlitt Hirnschlag bei Besuch in Indien - Sozialist in Kalkutta operiert - EU-Parlamentarier nach Angaben seiner Frau wieder bei Bewusstsein

Paris - Der französische Altpremier Michel Rocard, der am Samstag im ostindischen Kalkuta einen Hirnschlag erlitten hatte und notoperiert worden war, befindet sich auf dem Weg zur Besserung. Dies erklärte seine Ehefrau Sylvie Rocard, die den Europaparlamenetarier bei seiner Indien-Reise begleitet. Der 76-jährige Sozialist war am Samstag operiert worden, um ein Hämatom zu entfernen, das sein Gehirn kompromierte.

"Er war nach der Operation bei Bewusstsein. Er hat gesprochen, er will lesen, er will essen, er will abfahren, alles ist in Ordnung", sagte sie am Sonntag im Pariser Radiosender Europe 1. "Michel fühlte sch seit Freitagfrüh nicht wohl", berichtete seine Ehefrau und fügte hinzu: "Er hatte Schwierigkeiten, mit mir zu sprechen. Als wir Freitagnachmittag in Kalkutta anlangten, konnte er kaum noch gehen." Sie erklärte sich weiter zuversichtlich, dass ihr Mann bereits Ende dre Woche wieder in Frankreich zurück sein werde.

Anruf Sarkozys

Der französiche Präsident Nicolas Sarkozy (UMP), der das Wochenende im südfranzösischen Bormes-les-Mimosas verbringt, gab am Sonntag bekannt, dass er mit Sylvie Rocard telefoniert habe, um sich über den Zustand des ehemaligen Regierungschefs zu informieren. An seinem Krankenbett wurde der Sozialist auch vom indischen Außenminister Pranab Mukherjee besucht. "Der Zustand von Michel Rocard verbessert sich nach und nach. Er ist bei Bewusstsein, ich habe gerade mit ihm gesprochen", sagte Mukherjee nach dem Besuch gegenüber Jouranlisten.

Der Europaparlamentarier war auf Einladung des indischen Rates für kulturelle Zusammenarbeit ICCR nach Indien gekommen. Er sollte sich auch an einer Versammlung des indischen Verbands der Vereinigungen der Vereinten Nationen (IFUNA) beteiligen. Diese Versammlung wurde nach Angaben der Organisatoren nach dem Zwischenfall abgesagt.

Der 1930 im Pariser Vorort Courbevoie geborene Politiker ist Sohn des bekannten Physikers Yves Rocard. Er war zunächst in der links vond en Sozialisten angesieldelten PSU tätig, schloss sich 1974 aber der von Francois Mitterrand gegründeten PS an. Nach Mitterrands Einzug in den Elysee-Palast war Rocard nacheinander Minister für Raumordnung und für Landwirtschaft, bevor er von 1988 bis 1991 Premier wurde. Seine bekannteste Maßnahme war die Einführung der sozialen Mindestpernsion RMI für mittellose Personen. 1993 und 1994 leitete er die Soziaistische Partei. Jüngst sorgte er für Aufsehen, als er vor der Präsidentenwahl eine Allianz der sozialistischen Kandidatin Segolene Royal mit dem Zentrumskandidaten Francois Bayrou (UDF, nunmehr MoDem) vorschlug, die dann allerdings nicht zustande kam. (APA)

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    Michel Rocard im EU-Parlament in Brüssel

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