Zwei weitere Verdächtige verhaftet

2. Juli 2007, 16:31
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Terrorfahndung läuft auf Hochtouren: Sieben Verdächtige in Haft - Verdächtiges Auto gesprengt - Höchste Terrorwarnstufe nach Anschlag auf Flughafen Glasgow

London - Die britische Polizei hat am Montag zwei weitere Männer wegen des Anschlags in Glasgow und der vereitelten Attentate in London festgenommen. Die beiden seien 25 und 28 Jahre alt und in der Nacht im schottischen Glasgow unter Terror-Verdacht in Gewahrsam genommen worden, teilte die Polizei mit.

Am Wochenende waren bereits vier Männer und eine Frau festgenommen worden, darunter sind nach Medienangaben zwei Ärzte. Diese fünf Festgenommenen sollen alle keine britischen Staatsbürger sein. Die Polizei wollte Berichte nicht kommentieren, wonach sie aus dem Nahen Osten kommen. Nach Angaben der Zeitung "The Sun" ist einer der Verdächtigen ein Arzt aus dem Iran, der in Großbritannien arbeitete. Er soll nach Angaben der Zeitung der Drahtzieher hinter den Attacken sein.

Behinderungen

Zu Beginn der Arbeitswoche mussten sich Pendler und Reisende im ganzen Land auf massive Behinderungen einstellen. Die Polizei hatte die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnhöfen und Flughäfen verstärkt, nachdem die Regierung am Wochenende die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen hatte. Die Anfahrt zu vielen Terminals wurde verboten oder eingeschränkt.

Vor dem Krankenhaus in Glasgow, in dem einer der fünf Festgenommenen behandelt wurde, löste die Polizei am Sonntag an einem Fahrzeug eine kontrollierte Explosion aus. Sprengstoff wurde nicht gefunden.

Höchste Alarmstufe

In Großbritannien herrscht die höchste Terroralarmstufe. Premierminister Gordon Brown warnte vor einer länger anhaltenden Bedrohung. Die Briten würden sich nicht einschüchtern lassen, versicherte Innenministerin Jacqui Smith, die am Sonntag eine Sitzung des Krisenausschusses der Regierung leitete.

Der unter Polizeibewachung in einem Krankenhaus liegende Verdächtige erlitt Brandverletzungen, als der Geländewagen am Samstagnachmittag in die Abfertigungshalle des Flughafens Glasgow raste und in Flammen aufging. Das grüne Auto zerbrach die Glastore des Terminals und kam nur wenige Meter vor einer Warteschlange von Fluggästen zum Stehen. "Wäre er durchgekommen, hätte er Hunderte getötet", sagte ein Reisender.

Die beiden Insassen des Fahrzeugs wurden von Polizisten überwältigt. Fünf Passanten wurden wegen Verletzungen behandelt, einer musste mit einer Beinverletzung ins Krankenhaus gebracht werden. Von der sofortigen Räumung des Flughafens waren rund 2.500 Passagiere betroffen. Erst am Sonntag wurde der Flughafen wieder geöffnet.

Zusammenhang mit Anschlagsversuchen in London

Die Polizei geht von einem klaren Zusammenhang zwischen der Tat in Glasgow und den beiden Anschlagsversuchen in London aus. In allen drei Fahrzeugen hätten sich große Mengen entzündlicher Materialien befunden, erklärten die Behörden. Aus britischen Sicherheitskreisen verlautete, es gebe Hinweise darauf, dass der Angriff in Glasgow als Selbstmordanschlag geplant worden sei.

Am Samstagabend setzten die Behörden ihre Sicherheitswarnung auf die Einstufung "kritisch" herauf. Dies bedeutet, dass mit der Möglichkeit von unmittelbar bevorstehenden Anschlägen gerechnet wird. Zuletzt bestand diese Sicherheitswarnung im August 2006 nach der Aufdeckung von Plänen für Anschläge auf mehrere Transatlantikflüge. Ein Jahr zuvor wurden bei den Anschlägen auf den Londoner Nahverkehr 52 Menschen getötet.

Premierminister Brown: "Lassen uns nicht einschüchtern"

Die terroristische Bedrohung stellt den neuen Premierminister Brown nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt am Mittwoch vor eine gewaltige Herausforderung. "Ich weiß, dass das britische Volk entschlossen und stark zusammenstehen wird", sagte Brown am Samstagabend. Am Sonntag versicherte er in einem BBC-Fernsehinterview: "Wir werden nicht nachgeben, wir lassen uns nicht einschüchtern und wir werden niemand erlauben, unseren britischen Lebensstil zu untergraben."

Der Flughafen Glasgow nahm am Sonntag wieder den Betrieb auf. In den ersten Stunden gab es chaotische Szenen, weil der Flugverkehr und die Abfertigung nur schleppend wieder in gang kamen. Störungen wurden auch von anderen britischen Airports berichtet. Überall wurden nach der Erhöhung der Terrorwarnstufe die Sicherheitskontrollen verschärft. Aus Furcht vor Anschlägen wurden die Straßen vor den jeweiligen Terminalgebäuden gesperrt.

Terminal in Heathrow gesperrt

Die britischen Behörden haben am Sonntagabend einen Terminal des Londoner Flughafens Heathrow wegen eines verdächtigen Gepäckstücks vorübergehend gesperrt. Nach Angaben eines Flughafen-Sprechers war am Terminal drei ein verdächtiger Koffer entdeckt worden. Der Bereich, von dem aus Langstrecken-Flüge abgehen, war daraufhin evakuiert worden. Kurze Zeit später hieß es, der Terminal sei wieder freigegeben.

Diana-Gedenkkonzert ohne Zwischenfall

Die Polizei in London stand unter besonderem Druck, da am Sonntag ein Gedenkkonzert für Prinzessin Diana im Wembley-Stadium stattfand, bei dem über 60.000 Menschen teinahmen. Mehr als 450 Polizisten sicherten das Stadion.

Die US-Behörden weiten ihre Sicherheitsvorkehrungen über die Flughäfen hinaus auch auf Massentransportmittel wie Busse und Bahnen aus. Das kündigte Heimatschutzminister Michael Chertoff am Sonntag im US-Fernsehsender Fox News an. Darüber hinaus würden auf Flügen nach Großbritannien und verschiedenen anderen europäischen Flughäfen mehr Air-Mashalls eingesetzt. (red/APA/dpa)

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    Das Fahrzeug ging in Flammen auf, nachdem es das Flughafengebäude gerammt hatte.

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    Mitglieder des forensischen Untersuchungsteams inspizieren den Geländewagen am Flughafen von Glasgow.

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