120.000 bei der Regenbogenparade

1. Juli 2007, 20:38
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Zwei Kilometer langer Demozug auf der Ringstraße forderte eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle: "Standesamt statt Eurofighter"

Wien - Noch bunter als in den Vorjahren hat sich am Samstag die zwölfte Wiener Regenbogenparade in der Innenstadt gezeigt. Unter dem programmatischen Motto "Sei wie Du bist!" hatten sich heuer besonders viele der Teilnehmer in Verkleidung auf dem gut zwei Kilometer langen Demonstrationszug vom Stadtpark entlang der Ringstraße bis hin zum Schwarzenbergplatz eingefunden. Pünktlich zum Paradenstart hatte außerdem das Wetter von Regen auf strahlenden Sonnenschein und Hitze umgeschwenkt.

Das Spektrum der Demonstranten aus allen Altersstufen reichte dabei von der als Pfauen verkleideten balinesischen Gruppe, über Sambatänzer bis hin zur von "Ledersklaven" gezogenen Kutsche. Während einer der insgesamt 16 großen Sattelschlepper für den zünftigen Trachtenpärchenball warb, forderte ein anderer zur Revolution der anderen Art auf: "Smash the State and Masturbate."

Ein großes Thema der Demonstrationsschilder war auch heuer wieder die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle. Eine ironische Forderung lautete dabei etwa: "Kein Sex vor der Homoehe." Die SPÖ-Vorfeldorganisation Sozialdemokratie & Homosexualität (SoHo) verknüpfte die Forderung nach einem Partnerschaftsgesetz mit den Eurofightern und proklamierte trotz der zu Wochenbeginn von SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos verkündeten Einigung bei den Kampffliegern: "Standesamt statt Eurofighter".

"Wien kehrt andersrum"

Am Schluss des Zuges fand sich wie immer die Wiener Straßenreinigung (MA 48). Diese verkaufte ihre T-Shirts "Wien kehrt andersrum" und säuberte zugleich die Ringstraße von den Hinterlassenschaft der Demonstration.

Punkt 16.00 Uhr stand die Demonstration für eine Minute still. Mit der traditionellen Gedenkminute wird den Opfern homophober Gewalt und den an Aids Verstorbenen gedacht.

Begeistert von der großen Zahl der Teilnehmer zeigte sich Paradenorganisator Christian Högl. Er schätze heuer 120.000 Teilnehmer - gegenüber rund 100.000 in den Vorjahren. "Das Konzept mit Vienna Pride ist voll aufgegangen", unterstrich er. Unter diesem Titel hatten heuer erstmals über den gesamten Juni hinweg lesBiSchwule Veranstaltungen stattgefunden, mit denen man die Aufmerksamkeit auf die Parade deutlich erhöht habe. Und auch die Wiener Linien kündeten wieder seit Anfang Juni von dem Ereignis - mit einer Regenbogenflagge auf jeder Straßenbahn.

Parade auch in Paris

Auch in Paris nahmen am Samstag Hunderttausende bei der traditionellen Parade der Lesben und Schwulen teil. Transvestiten und Drag Queens gaben dem früher Gay Pride genannten Fußmarsch durch Pariser Straßen die gewünschten Farbtupfer. Nach Angaben der Organisatoren nahmen 700.000 Menschen teil, darunter wie meist auch Bürgermeister Bertrand Delanoë und Ex-Kulturminister Jack Lang.

Gefordert wurden gleiche Rechte auch für Homosexuelle. Mit der Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy suchen Lesben und Schwulen einen Dialog, um auch von dieser politischen Seite die gewünschte Unterstützung zu erhalten. (APA)

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    Pünktlich zum Paradenstart wechselte das Wetter von Regen auf strahlenden Sonnenschein.

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