170 Jahre Telegramm: Totgesagte leben länger

6. Juli 2007, 15:10
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Nachfrage vor allem bei besonderen Anlässen - Telegramme trotz Bedeutungsverlust noch nachgefragt

Das Telegramm feiert in diesem Jahr seinen 170. Geburtstag. Das erste gesendete Signal per Telegraf löste am 25. Juli 1837 die rasante Expansion eines Kommunikationsnetzes aus, die nur mit dem Internetboom des 20. Jahrhunderts vergleichbar ist. Heutzutage hat das Telegramm zwar massiv an Bedeutung verloren. Ganz von der Bildfläche verschwunden ist es aber trotz der schier unüberwindbaren Konkurrenz durch schnellere Kommunikationsformen wie E-Mail oder den Telefonanruf noch nicht. "Das Telegramm hat keinen Schnelligkeitsvorteil mehr, aber es wird bei besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Jubiläen weiterhin frequentiert", so Uwe Bensien, Sprecher der ,Deutschen Post AG.

Umsatz

Für die Deutsche Post ist das Telegramm nach wie vor ein Umsatzbringer. "Es werden zwar keine großen Mengen mehr bestellt, aber es wird noch regelmäßig nachgefragt", so Bensien. Deshalb bleibe das Telegramm auf absehbare Zeit weiterhin im Programm. Zumindest in Deutschland hat das Telegramm allerdings an Schnelligkeit verloren. Aufgegeben zu festgelegten Annahmezeiten per Telefon, Fax oder Internet, erfolgt die persönliche Zustellung am folgenden Werktag. Damit besitze das Telegramm in etwa dieselbe Expressqualität wie ein Standardbrief, führt Bensien.

Daheim

In Österreich, wo im Jahr 1847 zum ersten Mal ein Telegramm verschickt wurde, hat die Schweizer Firma Unitel Telegram Services GmbH (UTS) im Januar 2006 den offiziellen Telegrammdienst der Telekom Austria übernommen und ihn damit vor dem Aus bewahrt. Seitdem ist eine Zustellung in Österreich innerhalb desselben Tages sowie das Verschicken ins Ausland möglich. Telegramme können per Telefon oder unter Telegramm.at aufgegeben werden. UTS arbeitet nach eigenen Angaben mit Telegrammdiensten in über 225 Ländern zusammen.

Geschichte

Nachdem Charles Wheatstone und William Fothergill Cooke sich 1837 eine Nachricht via Telegraf zwischen Eusten und Camden Town in London geschickt hatten, trat das Telegramm seinen Siegeszug als bis dato schnellste Kommunikationsform rund um den Erdball an. Bis 1874 waren allein in Großbritannien 20.000 Orte mit dem Telegrafen-Netz verbunden, berichtet Cellular News. Zudem konnten Telegramme in die USA und die Länder des britischen Empire geschickt werden. Den Höhepunkt erreichte das Telegrafen-Netzwerk im Ersten Weltkrieg. Mit der stärkeren Verbreitung des Telefons begann die Bedeutung nach und nach zu schwinden.

Revolutionär

"Es gibt keinen Zweifel darüber, dass das Telegramm ein revolutionäres Stück Kommunikation war, das die Welt mitgestaltet hat und die Menschen näher zusammen gebracht hat", sagt David Hay, Chef von BT Heritage. BT (vormals British Telecom) beansprucht als direkter Nachfolger der von William Cooke 1846 gegründeten Electric Telegraph Company den Titel als ältestes Kommunikationsunternehmen der Welt. Der Telegramm-Service innerhalb Großbritanniens ist allerdings bereits 1982 eingestellt worden. Heute betreibt BT noch den Telex-Service, der das Telegrafen-Netz zur Übermittlung von Textnachrichten über Teleprinter nutzt und bereits 1932 eingeführt worden war. (pte)

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