Was Apples iPhone (vielleicht) bringt

26. Juli 2007, 14:44
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Nicht nur Handys, sondern auch Kunden- und Industriebeziehungen neu definiert

Was Apples iPhone kann oder nicht kann, können in den USA mittlerweile schon Schulkinder rezitieren. Die Kritik: Ausgerechnet die wegen Netzwerkproblemen berüchtigte AT&T ist für die nächsten fünf Jahre exklusiver Betreiber. Verwendet wird das veraltete, langsame Edge-Datennetz und nicht die neuen, schnellen 3G-Netze. Kamera mit bescheidenen zwei Megapixel Auflösung, während Nokia vor Kurzem die Latte auf fünf MP legte. Kein Video. Akku nur von Apple im Geschäft wechselbar. Eine gewöhnungsbedürftige Bildschirmtastatur, der von bisherigen Testern allerdings genau das attestiert wird: Man kann sich gut daran gewöhnen.

Wollmilchsau

Auf der Plus-Seite wird es spannender: Denn Apple hat als Quereinsteiger nicht ein Telefon gebaut, sondern ein integriertes Multimediagerät. Der Anspruch: alle bisher schwer zu bedienenden, weil jeweils als Zusatz eingepassten Funktionen wie Musik, Video und Internet leicht zugänglich und benutzbar zu machen - einzelne Funktionen wie die Kameraauflösung stehen zurück. Zentrale Erfindung für den integrierten Ansatz ist das mit Fingerbewegungen (kein Stift, keine Tasten) gesteuerte, große Display. Dahinter steht das für Multimedia gemachte Mac-Betriebssystem.

Gebunden

Das iPhone ist von Anfang an ein gleichberechtigter Partner des PC oder Mac: Die Aktivierung des Handy-Accounts erfolgt nicht bei AT&T, sondern über die iTunes-Software am PC/Mac; Adressen, Termine (aus Outlook oder Mac-Adressbuch und Kalender), Musik und Video kommen mit iTunes vom PC oder Mac auf das iPhone und umgekehrt. Auch neue Software und Funktionen werden so kontinuierlich geliefert und ermöglichen eine Evolution des iPhone. Handy und PC, bisher Parallelwelten, verschmelzen.

Besitz

Damit "gehört" der Kunde Apple mindestens ebenso sehr wie dem Mobilfunker, während bisher trotz starker Marken wie Nokia die Provider den Kunden "besitzen". Nicht zuletzt weil sie ihm das Handy schenken, während iPhones 500 bis 600 Dollar kosten. Auch beim Internet, das Betreiber gerne über ihre Portale dominieren und zu Geld machen wollen. In Europa würde sich darum T-Mobile als Partner anbieten, da diese anders als Vodafone auf offenes Internet statt einen Betreiber-Schrebergarten setzen.

Standbein

Das iPhone, erklärte Steve Jobs am Donnerstag in einem "Town Hall Meeting" für Mitarbeiter, sei nach Mac und iPod Apples "drittes Bein am Sessel", das vierte wohl das jüngst als "Hobby" bezeichnete Apple TV. Auf Basis der iPhone-"Revolution" werde es weitere Produkte geben: iPods mit Mac-Betriebssystem, die also möglicherweise wie ein iPhone ohne Handyteil sind, aber Internet über WiFi bieten. Und neue, "konkurrenzlose" Macs - wohl mit Multitouch-Bedienung auf dem Display. (Helmut Spudich, Der Standard/Printausgabe vom 30.7.2007)

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