Von Bruno Kreisky zum "Big Mama"-Wettessen

29. Juni 2007, 20:38
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Unmäßiges Käsekrainern am Gürtel - beim ältesten noch bestehenden Würstelstandbetrieb von Wien

Wer nimmt es mit „Big Mama“ auf? Beim ältesten Würstelstand von Wien kann man dieses Wochenende gegen gewaltige Riesenkäsekrainer antreten. Die Eigenkreation „Big Mama“ wird beim „Würstelstand Leo“ an der Ecke Währinger Gürtel/Nussdorfer Straße folgendermaßen beschrieben: „Big Mama, die Mutter aller Käsekrainer, ist 34 cm lang hat einen Radius von 5 cm und bringt ein Kampfgewicht von einem halben Kilo auf die Waage.“

Und für die Nächte zum Samstag und zum Sonntag gilt für die Zeit von 0 bis 4 Uhr folgende Spielregel: „Besiegst du Big Mama (d.h. du vernichtest die Riesenkäsekrainer und alle Beilagen im Alleingang), wirst du nicht nur Weltruhm erlangen und auf unserer Homepage als Bezwinger der „Big MAMA“ (mit Foto) verewigt, sondern du gewinnst auch ein original Leo-T-Shirt und einen Gutschein im Wert von vier Euro.“ Ein kleines Detail noch: Das Nenngeld für den „Big Mama“-Wettbewerb beträgt 8,80 Euro.

Der erste Würstelstand Wiens

Dies alles wäre ein ganz normales Wett- und Schauessen – wäre der „Leo“ nicht gleichzeitig auch der älteste noch in Betrieb befindliche Würstelstand von Wien. Laut Familien-Saga war es sogar der erste Würstelstand Wiens, den Leopold Mlynek senior 1928 gründete – damals war der Standort des mobilen Würstelstandes noch gegenüber, vor der Auge Gottes-Apotheke.

Legendär war aber vor allem Fritz Wilfing, der 1952 als Verkäufer engagiert wurde und der 25 Jahre lang, sechs Tage die Woche Leos Würstel unter (oder besser gesagt: in) die Leute brachte. Prominentester Stammgast dieser Ära war Bundeskanzler Bruno Kreisky. Als jener das erste Mal kam, fragte der Sicherheitsbeamte, wie viel das Würstel koste – und Herr Fritz antwortete: „Hundert Schilling“. Auf die Gegenfrage, ob er ein bisserl deppert sei, hieß es dann: „Ich bin nur ein armer Knecht – und das is’ der große Bundeskanzler.“ Kreisky habe gelacht – und danach bei jedem weiteren Besuch mit einem Hunderter bezahlt. Heißt es.

Dass Kreisky aber hier gelegentlich eine Burenwurst genoss, ist jedenfalls verbürgt. Denn im Gästebuch des Würstelstandes findet sich ein Eintrag des damaligen Kanzlers: „Besser als vor Stunden beim Festbankett, schmeckt mir jetzt die Heiße beim Würstelstand.“ Ob Kreisky auch eine „Big Mama“ geordert hätte, darf allerdings bezweifelt werden. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD-Printausgabe, 30.6./1.7.2007)

  • Der "Leo" vor dem "Blaustern" am Gürtel ist der älteste noch bestehende Würstelstandbetrieb von Wien.
    foto: christian fischer

    Der "Leo" vor dem "Blaustern" am Gürtel ist der älteste noch bestehende Würstelstandbetrieb von Wien.

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