Guatemala als Geldlenkzentrale

5. Juli 2007, 01:44
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Pyeongchang, Salzburg oder Sotschi? Wenn die Entscheidung über die Winterspiele 2014 fällt, schaut auch die österreichische Wirt­schaft höchst interessiert nach Guatemala

Wien - Die Kür wird Milliardenbeträge in eine von drei Weltgegenden lenken. Die meiste Marie wird rollen, wenn der russische Schwarzmeer-Kurort Sotschi die Wahl gewinnt. Russland würde für die Winterspiele umgerechnet 8,7 Milliarden Euro aufwenden - so viel hat allein die russische Regierung zugesagt.

Der Großteil davon würde für Straßen, Flughäfen, Hotels und andere physische Infrastruktur fließen. Das südkoreanische Pyeongchang hat in seiner Bewerbung Investitionen von fünf Milliarden Euro angekündigt. Die traditionelle Wintersport- und Tourismusregion Salzburg verfügt dagegen bereits über einen Großteil der notwendigen Bauten und rechnet mit Ausgaben von 1,5 Milliarden Euro.

Die heimische Bau- und Wintersportindustrie steht deshalb geschlossen im Lager des russischen Konkurrenten - zumindest argwöhnt man das in Salzburg: "Sind sie für Salzburg, sind sie gegen das große Geld in Russland. Denn für die Wirtschaft ist dort mehr zu holen als in Salzburg, wo die Infrastruktur für Olympia weitgehend bereit steht", zitierte das WirtschaftsBlatt jüngst Walter Veit, den Sprecher der Salzburger Hoteliers.

Sollte die Wahl auf Sotschi fallen, dürfte vor allem die Strabag von den dortigen Bauvorhaben profitieren. Oleg Deripaska, zweitreichster Mann Russlands sowie Neo-Miteigentümer des Baukonzerns, besitzt den Flughafen und will selbst zwei Milliarden Euro in das Prestigeprojekt investieren.

Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner ließ bei der Vorstellung des Deals im vergangenen Mai wenig Zweifel daran, dass eine Entscheidung für Sotschi seine hochfliegenden Russland-Pläne besonders fördern würde: "Wenn die Olympischen Spiele kommen, dann überlasse ich es ihm (Deripaska), was alles möglich sein wird", sagte Haselsteiner damals.

Nicht nur bei den Verkehrswegen besteht enormer Nachholbedarf, auch in Sachen Wintersport-Infrastruktur steht "noch verdammt wenig. Sotschi hat sich bisher auf den Sommertourismus und praktisch ausschließlich auf russisches Publikum konzentriert", sagt Guido Stock, WKO-Experte für Russland. Eine Reihe österreichischer Unternehmen vom Vorarlberger Lifthersteller Doppelmayr bis hin zu den Firmen des ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel werden als mögliche Lieferanten bei einer Entscheidung für Sotschi genannt.

Vergleichsweise weit weg liegt dagegen Pyeongchang, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Der koreanische Bewerber gilt nach dem Urteil der Bewertungskommission vor einem Monat als Favorit. Südkorea ist nach China und Japan zwar der drittgrößte Handelspartner Österreichs in Asien, Wintersportbedarf gehörte zumindest bisher aber nicht zu den traditionellen Exportschlagern in Korea.

Sollte Salzburg trotz seiner derzeitigen Außenseiterposition doch noch zum Zug kommen, würden neben dem Bau vor allem Dienstleistungswirtschaft und Hotellerie profitieren. Nach einer Schätzung der Forschungseinrichtung Sports Econ Austria würden bis zum Abschluss der Winterspiele 2014 eine zusätzliche Wertschöpfung von rund einer Milliarde Euro und 10.000 Jobs direkt sowie weitere 3500 Stellen indirekt geschaffen. (APA, red, , DER STANDARD Printausgabe 30. Juni 2007)

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