Irrwege zur Priesterweihe

3. Juli 2007, 11:46
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25 Jahre Ehe und vier Kinder standen der Weihe von Gerhard Höberth zum katholischen Priester nicht im Wege

...Auch nicht, dass der Exprotestant katholisch getauft wurde und mit 18 aus der Kirche austrat

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Man könne ja nicht "einem, der aus einer gefestigten Lebenssituation kommt" sagen, er müsse "seine Familie in die Wüste schicken". Mit dieser Begründung und dank eines päpstlichen Zölibatdispenses wurde Gerhard Höberth trotz Ehefrau und vier Kindern am 15. Juni von Christoph Kardinal Schönborn zum katholischen Priester geweiht. der Standard berichtete.

Ein Blick auf den Lebenslauf des 47-Jährigen Neo-priesters lässt aber zumindest aus Glaubenssicht eine gewisse Unstetigkeit erkennen. Höberth ist nicht erst 2004 durch seine Konvertierung vom evangelischen Glauben Katholik geworden. Der "Familienpriester" wurde bereits 1960 in Wien katholisch getauft.

"Ich bin aber nicht katholisch aufgewachsen und auch nicht religiös erzogen worden", blickt Österreichs einziger katholischer Priester mit offiziellem Familienanhang zurück. Das Resultat der Kindheit ohne Kirche offenbarte sich dann mit der Volljährigkeit. "Mit 18 Jahren bin ich aus der katholischen Kirche ausgetreten", so Höberth.

Der klerikalen Wurzeln besonnen

Ein evangelischer Bibelkreis bewahrte den künftigen Kaplan der Pfarre Rudolfsheim vor einem Leben als Atheist. "Ich habe dann begonnen, evangelische Theologie in Wien zu studieren und meine Frau kennengelernt", erzählt der Geistliche. Insgesamt 15 Jahre lang fühlte sich Höberth bei den Protestanten heimisch. In den letzten Jahren als evangelischer, lutherischer Pfarrer im oberösterreichischen Gosau dürfte sich der 47-Jährige aber wieder verstärkt seiner klerikalen Wurzeln besonnen haben. 2004 konvertiert ein Großteil der Familie Höberth, nur die zwei ältesten Kinder sind bis dato evangelisch. Austritt, Übertritt und Rücktritt sind für die offizielle Kirche kein Problem: "So etwas ist nicht ungewöhnlich. Es hat schon Heilige gegeben, bei denen das so war", kontert Schönborn-Sprecher Erich Leitenberger. Außerdem würden solche Weihen "ganz besonders" genau geprüft werden. Dass Höberth möglicherweise einen Weg aufzeigt, wie katholische Priester den Zölibat elegant umgehen könnten, sieht Leitenberger als "völlig absurde Idee".

Evangelische Kritik Doch ganz so reibungslos, wie man von katholischer Seite jetzt glaubhaft machen will, ist die Konvertierung nicht gelaufen. "Wir haben erst sehr spät mitbekommen, dass Herr Höberth konvertieren will. Da hat es bereits seit einem halben Jahr Gespräche mit Kardinal Schönborn gegeben", erinnert sich Hannelore Reiner, Personalreferentin der Evangelischen Kirche A. B.

Höberth hätte sein Anliegen auch nie persönlich vorgetragen. "Jemand aus der katholischen Seelsorge hat zu mir gesagt: 'Da kommt doch einer von euch zu uns'", so Reiner. Man habe Höberth daraufhin "ein Ende als Pfarrer in Gosau nahe gelegt, um der Gemein-de nichts mehr vorzuspielen". Für Reiner ist die katholische Kirche durch die Weihe des Priesters mit Ehering unglaubwürdig geworden. "Streng genommen hätte man ihn nicht weihen dürfen. Verheiratete Diakone haben ja auch keine Chance", kritisiert Reiner. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 30.6./1.7.2007

  • Idyllischer Pfarralltag: Kaplan Gerhard Höberth mit Familie.
    foto: privat

    Idyllischer Pfarralltag: Kaplan Gerhard Höberth mit Familie.

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