Gänserndorf: Anzeige gegen Herrn der Affen

3. Juli 2007, 11:46
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Masseverwalter laut Grünen "säumig" - Haltebedingungen für die Tiere seien "inakzeptabel"

Gänserndorf/Wien - Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass der frühere Safaripark Gänserndorf, der 2004 endgültig in den Konkurs geschlittert ist, mit Förderungen des Landes Niederösterreich als "Naturerlebnispark" wieder auferstehen soll (siehe Safaripark Gänserndorf wird Naturerlebnispark ). Und zwar ohne Einbeziehung der 44 Schimpansen und sechs weitere Affen, die in einem eigenen Haus auf dem Areal auf Kosten der Pharmafirma Baxter ihre "Pension" fristen.

Am Freitag nun rückten just diese Affen in den Mittelpunkt des Interesses. Die Haltebedingungen der ehemaligen Versuchstiere für die HIV-Forschung seien "inakzeptabel" - und diese Misere werde durch die Säumigkeit des Masseverwalters Ferdinand Bruckner prolongiert, kritisierte Grünen-Tierschutzsprecherin Brigid Weinzinger.

Daher - so Weinzinger - werde sie noch am Freitag bei der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf Anzeige gegen Bruckner einbringen, wegen 16 Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, die Zoo- und die Tierhaltungsverordnung. Vom Umstand, dass der Korneuburger Rechtsanwalt als Privatperson keine Befugnis zur Haltung von Menschenaffen habe hin zu seinem "Nicht-Einschreiten gegen die Sicherheitsmängel, die tierschutz- und arbeitsrechtlichen Verstöße" im Affenhaus.

Dellen an den Gittern "Die Affen haben keinen Auslauf im Freien. Die Gitter an ihren Käfigen weisen zum Teil Dellen auf, weil sich die männlichen Tiere aus Imponiergehabe dagegen werfen. Aus Personalmangel ist meist nur ein Pfleger anwesend, statt der nötigen zwei, um bei einem Zwischenfall intervenieren zu könnten", schildert Weinzinger. Zwischenfälle jedoch könne es jederzeit geben, da Versuchs-Schimpansen als Jungtiere im Pharmalabor in Einzelkäfige gesteckt werden und daher kein soziales Verhalten lernen können: Mit ein Grund, warum Tierversuche an Menschenaffen in Österreich vor zwei Jahren verboten wurden.

"Ich halte die Affen nicht als Privatperson, sondern als Masseverwalter. Die Anzeige wird im Sand verlaufen", reagiert Bruckner im Standard-Gespräch auf die Vorwürfe. Die verbliebenen Affen seien alle infiziert und daher "nirgendwo anders hin vermittelbar", also müsse eine Lösung vor Ort gefunden werden.

Eine solche habe Ex-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat vergangenes Jahr fast schon gefunden gehabt, doch dann sei die Sache erneut verschleppt worden, wendet hier Weinzinger ein: "Baxter würde für Renovierung und Affenbetreuung zahlen, doch nur, wenn das Ministerium mitmacht". Von Verschleppung jedoch will Ulrich Herzog, Bereichsleiter im jetzigen Ministerium Andrea Kdolskys, nichts hören. "2006 haben wir ein Gutachten über den Zustand des Affenhauses in Auftrag gegeben. Der Gutachter ist Ende Mai verstorben". Die Anzeige gegen Bruckner hingegen sei nur eines: "Megakontraproduktiv". (Irene Brickner/DER STANDARD-Printausgabe, 30.6./1.7.2007)

Zur Nachlese:

Safaripark Gänserndorf wird Naturerlebnispark - Erlebnis-Spaziergänge durch die Tierwelt soll Besucher anziehen - Auf Raubkatzen wird verzichtet
  • Baxter-Affe in seinem Gänserndorfer Gehege. Die Tiere haben viel hinter sich, ihre Zukunft ist weiter ungeklärt.
    foto: newald

    Baxter-Affe in seinem Gänserndorfer Gehege. Die Tiere haben viel hinter sich, ihre Zukunft ist weiter ungeklärt.

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