Feuerbrand: Bodensee-Länder kämpfen gemeinsam gegen Pflanzenseuche

4. Juli 2007, 21:53
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Im Herbst soll dreijähriges Forschungsprogramm starten

Bregenz - Die Länder rund um den Bodensee wollen gemeinsam gegen die Pflanzenseuche Feuerbrand ankämpfen. In einem dreijährigen Forschungsprogramm sollen Erkenntnisse gewonnen, Alternativen erforscht und Strategien ausgearbeitet werden, erklärte Vorarlbergs Agrar-Landesrat Erich Schwärzler am Freitagnachmittag in einer Pressekonferenz. Leopold Girsch von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bezeichnete die Situation als dramatisch.

Schwärzler hatte am Freitag zu einem Gespräch mit Experten aus Bayern, Baden-Württemberg, Schweizer Kantonen sowie aus Liechtenstein eingeladen. "Die außerordentliche Witterung hat heuer auch in unseren Nachbarländern zu großen Feuerbrand-Schäden geführt. Das macht deutlich, dass wir für die Zukunft eine grenzüberschreitende Strategie brauchen", stellte Schwärzler fest. Ein Wundermittel gebe es nicht.

Feuerbrand-Bekämpfungsprogramm

Im Gespräch mit den Experten sei man übereingekommen, in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung durch die AGES ein Feuerbrand-Bekämpfungsprogramm auszuarbeiten. Außerdem soll die Suche nach gegen Feuerbrand resistenteren Obstsorten forciert werden, sagte der Landesrat. Für heuer brachte Vorarlbergs Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger die Maßnahmen so auf den Punkt: "Retten, was zu retten ist. Roden, was gerodet werden muss. So viel ausschneiden wie möglich".

Für die betroffenen Obstbauern kündigte Schwärzler finanzielle Unterstützung seitens des Landes bzw. der Gemeinden an. Je nach Stärke des Befalls werden für das Ausschneiden von Anlagen zwischen 1.000 und 3.000 Euro pro Hektar bezahlt, für die Rodung von befallenen Bäumen 11.400 Euro pro Hektar (ohne Nachpflanzung) bzw. 30.400 Euro (mit Nachpflanzung). Von 2002 bis 2006 habe Vorarlberg die effektive Feuerbrand-Bekämpfung mit 888.000 Euro unterstützt und für Nachpflanzungen rund 332.000 Euro aufgebracht.

"Dramatische Situation"

Den Angaben von Girsch zufolge sind in Österreich aktuell 2.000 bis 2.500 Hektar Obsterwerbsfläche von Feuerbrand betroffen. "Es handelt sich um eine dramatische Situation", sagte Girsch. Mit dem zu entwickelnden Konzept müsse die Existenz des Erwerbsobstbaus sicher gestellt werden. Es gebe derzeit nur ein einziges zugelassenes Produkt gegen Feuerbrand, nämlich das Antibiotikum Streptomycin, das in Vorarlberg bereits seit 2005 eingesetzt wird. Auf Grund zusätzlicher Prüfungen und der extremen Witterung sei die Zulassung für Streptomycin heuer aber "zu spät gekommen", bekannte Girsch. (APA)

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