Terroralarm in London - Zwei Autobomben rechtzeitig entschärft

4. Juli 2007, 16:16
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Intensive Fahndung läuft, zahlreiche Spuren - Anschläge hätten hunderte Menschen das Leben kosten können - Auch New York verschärft Sicherheitsvorkehrungen

London - In Großbritannien herrscht weiter Terroralarm. Nur kurz nach dem Amtsantritt des neuen britischen Premierministers Gordon Brown ist die Millionenmetropole London am Freitag zwei möglicherweise verheerenden Anschlägen mit Autobomben entgangen. Die beiden Sprengkörper, die aus einer großen Menge Benzin, Gas und Nägeln bestanden, wurden noch rechtzeitig entschärft. Die Autos waren im Herzen der Stadt mitten im Touristenviertel um Piccadilly Circus geparkt. Ihre Explosion hätte möglicherweise hunderte Menschen in den Tod gerissen. Ungeachtet des Bedrohung herrschte nach britischen Medienberichten in der Nacht zum Samstag großer Andrang auf Bars und Nachtclubs in London.

Der Bombenalarm ereignete sich fast exakt zwei Jahre nach den Terroranschlägen vom 7. Juli 2005 auf die Londoner U-Bahn und einen Bus, bei denen 52 Menschen starben. Da an diesem Wochenende in und um London zahlreiche Großveranstaltungen geplant sind, darunter das Tennis-Turnier in Wimbledon, herrscht für die Polizei weiterhin höchste Alarmstufe.

"Internationales Ausmaß"

Nach Angaben von Regierungsquellen und Sicherheitsexperten handelt es sich bei den verhinderten Anschläge um eine Tat mit "internationalem Ausmaß" und mit möglichen Verbindungen zum Terrornetz Al Kaida. Scotland Yards Anti-Terror-Chef Peter Clarke machte zu Verdächtigen keine Angaben. "Es ist noch zu früh, um Klarheit zu bekommen. Es ist auch zu früh, um zu spekulieren."

Die beiden Autobomben waren eher zufällig entdeckt worden. Aus einem Fahrzeug wurde verdächtiger Rauch gemeldet, beim zweiten Wagen wurde austretendes Gas bemerkt. Der erste Wagen war vor dem Nachtclub "Tiger Tiger" in der Straße Haymarket nahe von Piccadilly Circus geparkt und randvoll mit Gasflaschen, Benzin und Nägeln. Eine Explosion hätte nach Worten der Polizei ein "Gemetzel" bewirkt.

Auto abgeschleppt

Wenige Stunden später wurde das zweite verdächtige Auto bei einer Tiefgarage in der Park Lane mit einem Polizeiroboter untersucht. Der ebenfalls mit Benzin, Gas und Nägeln beladene Wagen war nach Angaben der Polizei aus einem Haltverbot nahe Haymarket abgeschleppt und zum Hyde Park gebracht worden.

Der US-Sender CBS berichtete, ein paar Stunden vor der Entdeckung der Autobombe am Haymarket seien in einem Internet-Chatroom Bombenangriffe auf London angekündigt worden. "Frohlockt, bei Allah, London wird bombardiert werden", schrieb jemand, der sich mit dem Namen Abu Osama al Hasin bei dem hin und wieder von Mitgliedern des Terrornetzwerks Al Kaida genutzten Chatroom Al Hesbah eingetragen hatte. Der Autor des rund 300 Wörter langen Eintrags kritisierte die Ernennung des Schriftstellers der "Satanischen Verse", Salman Rushdie, zum Ritter durch die britische Königin Elizabeth II. und prangerte die britische Beteiligung am Irak-Krieg an, berichtete CBS weiter.

Terrorfahndung intensiviert

Nach der Entschärfung der beiden Sprengsätze im Zentrum von London hat die britische Polizei die Terroristen-Fahndung am Samstag intensiviert. In die Ermittlungen seien inzwischen auch andere Länder eingeschaltet worden, meldete die BBC. Von dem Sender befragte Sicherheitsexperten erklärten, die geplanten Autobombenanschläge hätten die Handschrift des Terrornetzwerks Al-Kaida erkennen lassen. Die neue britische Innenministerin Jacqui Smith setzte für Samstag eine weitere Beratung der Notfall-Kommission COBRA an.

An den beiden Fahrzeugen sowie den am Freitag unschädlich gemachten Sprengsätzen aus Benzin, Nägeln und Gaskanistern seien zahlreiche Spuren gesichert worden. Einen Bericht des US-Senders ABC, wonach die Fahnder bereits über eine "kristallklare" Aufnahme eines mutmaßlichen Täters von einer Überwachungskamera verfügen, bestätigte Scotland Yard nicht.

Unterdessen hat sich das Leben in London am Samstag weiter normalisiert. Straßenabsperrungen wurden aufgehoben und der U-Bahn-Verkehr lief normal. Die Polizei kündigte eine Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen für geplante Großereignisse am Wochenende an. Dazu gehören das Tennisturnier in Wimbledon, eine Parade von Schwulen und Lesben sowie das am Sonntag geplante Popkonzert zum Gedenken an die vor zehn Jahren gestorbene Prinzessin Diana. Dazu werden im Wembley-Stadion Zehntausende von Menschen erwartet.

Verstärkte Streifen

Die Londoner Polizei verstärkte ihre Streifen in der Innenstadt und machte sich an die Auswertung von Bildern der mehr als 160 Überwachungskameras, um den Tätern auf die Spur zu kommen. Aus Sicherheitskreisen verlautete, die Konstruktion der Autobombe weise Ähnlichkeiten mit im Irak verwendeten Sprengsätzen auf.

Auch die New Yorker Stadtbehörden verschärften ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die Polizei weitete ihre Präsenz an Touristenattraktionen, in Parkhäusern und dem Nahverkehrssystem aus. An Brücken wurden nach Polizeiangaben Straßenkontrollen eingerichtet, die Eigentümer von Parkhäusern wurden angewiesen, Ausschau nach verdächtigen Fahrzeugen zu halten. (APA)

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    Nach der Entschärfung der ersten Autobombe schlug die Londoner Polizei am Freitagnachmittag neuerlich Alarm: In der Nähe der Park Lane wurde ein verdächtiges Fahrzeug entdeckt.

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    Das Gebiet wurde daraufhin abgesperrt.

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    Spurensicherung.

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    Auch in New York wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

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