UNO-Inspektoren erstmals seit Jahren in umstrittenen Reaktor

6. Juli 2007, 09:36
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Team bescheinigt Pjöngjang "exzellente" Mitarbeit

Tokio/Seoul - Erstmals seit fünf Jahren haben Experten der Vereinten Nationen den umstrittenen Atomreaktor Yongbyon in Nordkorea inspizieren können. Das vierköpfige UNO-Team untersuchte alle gewünschten Abschnitte der Anlage, wie Teamchef Olli Heinonen am Freitag nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo sagte. Nordkorea habe "exzellent" mitgearbeitet. Allerdings laufe die Anlage vorerst weiter, "der Zeitpunkt der Schließung ist noch nicht gekommen".

Das Team soll in Zusammenarbeit mit den Behörden des kommunistischen Landes die Yongbyon-Schließung einleiten. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte unterdessen nicht näher präzisierte Quellen aus dem Außenministerium, wonach die UNO-Atombehörde IAEO (IAEA) bereits nächste Woche den Termin für die geforderte Abschaltung des Reaktors ankündigen wird.

"Zufrieden"

"Wir sind zufrieden", zitierte Kyodo Heinonen. Die Inspektoren hätten die Anlagen zur Brennstoffherstellung und zur Wiederaufbereitung, den noch im Bau befindlichen 50-Megawatt-Reaktor und den 5-Megawatt-Reaktor besichtigt: "Damit haben wir alle Orte gesehen, die wir sehen wollten."

Die Nordkoreaner hätten sich sehr kooperativ verhalten, unterstrich Heinonen. Die IAEO-Mitarbeiter kehrten am Freitag von einem zweitägigen Besuch in der rund 100 Kilometer von Pjöngjang entfernt gelegenen Anlage in die nordkoreanische Hauptstadt zurück.

Bedingungen

Im Februar hatte sich Nordkorea bereit erklärt, den Reaktor im Gegenzug für wirtschaftliche und politische Zugeständnisse stillzulegen. Dazu gehören auch Nahrungs- und Kraftstofflieferungen. Das Land hatte die Inspektoren der IAEO Ende 2002 ausgewiesen. Grund waren Vorwürfe der Vereinigten Staaten, das Regime unterhalte ein geheimes Programm zur Entwicklung von Atomwaffen. Im Oktober vergangenen Jahres hat dann Nordkorea offenbar einen ersten Atomsprengsatz getestet.

Der US-Sondergesandte für die Sechs-Nationen-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm, Christopher Hill, hatte vergangene Woche erklärt, er rechne mit einer Schließung von Yongbyon bis Mitte Juli. Der südkoreanische Außenminister Song Min Soon sagte am Donnerstag, sobald Yongbyon geschlossen sei, könnten die Sechsergespräche von Nord- und Südkorea, Japan, China, Russland und den USA fortgesetzt werden.

Im 95 Kilometer von Pjöngjang entfernten 5-Megawatt-Reaktor Yongbyon wird nach nordkoreanischen Angaben Strom produziert; offenbar ist der Reaktor jedoch gar nicht an die Elektrizitätsnetze angeschlossen. Experten vermuten stattdessen, dass dort in den vergangenen zwei Jahrzehnten ausreichend Plutonium für bis zu zwanzig Atomsprengköpfe produziert wurde. (APA/Reuters)

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