Europa: Starker Euro und steigende Ölpreise belasten

3. Juli 2007, 16:17
posten

Ein Kommentar von Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Märkte konnten sich gegen Ende der abgelaufenen Handelswoche doch noch stabilisieren, nachdem es anfangs nach deutlichen Kursverlusten aussah. Das negative Sentiment wurde nach bestätigten Inflationsängsten auch noch von einem starken Euro und dem auf USD 70/Barrel steigenden Ölpreis gestärkt.

Nachrichten von Unternehmensseite her gab es hauptsächlich im M&A-Bereich. Die Übernahme der Bank ABN Amro durch die britische Barclays Bank wird immer wahrscheinlicher. Nachdem ein Gericht in Holland bestätigt hatte, dass der Vorstand der ABN die amerikanische Tochter La Salle ohne Zustimmung der Aktionäre an die Bank of America verkaufen kann, dürfte die niederländische Bank für das zuvor ebenfalls höchstinteressierte Bieterkonsortium (Royal Bank of Scotland, Fortis, Banco Santander) deutlich an Attraktivität verloren haben.

Zu Kurssteigerungen von 10% kam es durch neuerliche Übernahmegerüchte beim französischen Baukonzern Eiffage SA. Wie schon im März wurde das spanische Unternehmen Sacyr Vallehermoso mit einer Anteilsaufstockung und konkreten Übernahmeabsichten in Verbindung gebracht.

Die irische Billigfluglinie Ryanair darf aufgrund von kartellrechtlichen Bedenken der EU-Wettbewerbsbehörde die ehemals staatliche irische Konkurrenzfluglinie Air Lingus nicht erwerben. Der Anteil einer Fluggesellschaft an Flügen von und nach Irland wäre zu groß und könnte bei dieser marktbeherrschenden Stellung zum Nachteil der Kunden führen. Ryanair CEO Michael O'Leary kann diese Haltung der EU-Kommission nicht nachvollziehen und erwägt gegen die Entscheidung Klage einzubringen.

ProSiebenSat.1 wird für ca. EUR 3,3 Mrd. die niederländische SBS Broadcasting Group übernehmen. Dieser Zusammenschluss macht auf strategischer Ebene durchaus Sinn. Während ProSiebenSat.1 am deutschen Markt stark vertreten ist, zeigen sich die Niederländer in Skandinavien und in den Benelux-Ländern gut aufgestellt. Auch die Anleger sehen diesen Schritt positiv. Die Aktien legten um ca. 4,5% zu.

Der Reiseanbieter Thomas Cook kommt gleich nach dem Börsegang unter Druck. Zwar war der Nettoverlust mit nur EUR 177 Mio. im ersten Halbjahr geringer als im selben Vorjahreszeitraum, doch scheint auch der Ausblick für das Gesamtjahr nicht allzu gut zu sein, da die Buchungen für Nordamerika um ca. 27% zurückgegangen sind. Auch die Ankündigung dass Thomas Cook bis zu 2800 Stellen vorwiegend in Großbritannien abbauen will, konnte den Valoren keinen Auftrieb geben.

In der nächsten Handelswoche erwarten wir an den europäischen Börsen weiterhin einen volatilen Fortgang bei durchschnittlichen Umsätzen. Zwar dürfte die EZBZinssitzung wenig Überraschendes bringen, doch stehen in der Eurozone noch andere Konjunkturdaten wie Arbeitslosenrate und Produzentenpreise auf der Agenda.

Share if you care.