USA: Volatiler Verlauf mit Abschlägen

3. Juli 2007, 16:17
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die US-Börsen gehen nach einem volatilen Handelsverlauf erneut mit Abschlägen aus der Handelswoche. Die Fed-Sitzung am Donnerstag brachte keine Überraschungen. Man wiederholte, dass die Turbulenzen im Immobilienbereich keine Auswirkungen auf die Konjunkturentwicklung haben werden. Zudem betonte man erneut, dass die Inflation die vordergründige geldpolitische Determinante darstellt.

Die veröffentlichten Konjunkturdaten fielen durchwachsen aus. Das Verbrauchervertrauen trübte sich unerwartet deutlich ein, auch die Zahl der Neubauverkäufe enttäuschte. Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter lag mit -2,8% deutlich hinter den Erwartungen von -1%. Die Verkäufe bestehender Häuser, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie der Chicago Fed-Index überraschten hingegen positiv.

Im Fokus stand das IPO des Private Equity-Hauses Blackstone Group. Am ersten Handelstag stieg die Aktie mehr als 20% über den Ausgabepreis von USD 31, im Wochenverlauf tendierte sie jedoch deutlich schwächer. Mit einem Erlös von USD 4,1 Mrd. war dies der größte Börsegang seit 2001. Archer Daniels Midland ist Branchenaussagen zufolge an einer Übernahme des brasilianischen Agrarkonzerns COSAN S/A interessiert. Das Unternehmen ist einer der größten Hersteller von Ethanol. CommScope meldete die Übernahme des Konkurrenten Andrew für insgesamt USD 2,6 Mrd. Das gemeinsame Unternehmen soll ein führender Anbieter von Infrastrukturlösungen für Kommunikationsnetzwerke werden.

Im Technologiebereich überzeugte Softwarehersteller Oracle. Der Gewinn wuchs im Q4 um 23 % auf USD 1,6 Mrd, die Erlöse stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 20% auf USD 5,8 Mrd. Am deutlichsten stiegen die Einnahmen bei Neulizenzen im Datenbankbereich. Auch die Guidance für das neue Geschäftsjahr überzeugte, so geht man für das laufende Quartal von einem Umsatz in Höhe von USD 4,43 Mrd. aus, der Konsens rechnete mit USD 4,11 Mrd.

Linux-Anbieter Red Hat konnte die Schätzungen bei Umsatz und Gewinn zwar geringfügig steigern, der Ausblick enttäuschte jedoch. Die Aktie tendiert 6% schwächer. Elektronikhändler Best Buy profitierte von einem Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu USD 5,5 Mrd. Zudem kündigte man eine Anhebung der Dividende an.

Anteilsscheine von Nike legten mehr als 8 % zu, nachdem Ergebnisse über Erwartungen gemeldet wurden. Das Nettoergebnis lag 32% höher, der Umsatz um 9% über dem de Vorjahreszeitraum. Auch der Saatgutproduzent Monsanto legte exzellentes Zahlenwerk und konnte in sämtlichen Sparten deutlich wachsen.

Sanitärausrüster Bed Bath & Beyond legte Zahlen im Rahmen der Erwartungen, der Ausblick fiel jedoch enttäuschend aus. Der Baukonzern Lennar meldete einen deutlichen Rückgang bei EPS und Umsatz. Ausschlaggebend waren Sonderbelastungen sowie die anhaltende Schwäche des US-Häusermarktes. Die Aktie knickte fast 8% ein.

GM profitierte von positiven Analystenstimmen durch Goldman Sachs sowie der Einigung zwischen der ehemaligen Zuliefer-Tochter Delphi mit der Gewerkschaft UAW. Zudem plant man die Getriebesparte Allison Transmission für rund USD 5,6 Mrd. an die beiden Finanzinvestoren Carlyle Group und Onex zu verkaufen. Die Aktie profitiert vom erfreulichen Newsflow und legt mehr als 7% zu.

In der nächsten Woche werden kaum relevante Unternehmensergebnisse gemeldet. Impulse sollten von der Veröffentlichung des ISM-Index sowie den weiteren Daten aus dem Immobilien-Sektor stammen. Aktuell sehen wir den amerikanischen Aktienmarkt in einer Art Orientierungsphase, wobei sich das Abwärtspotenzial zuletzt deutlich vergrößert hat.

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