Brief des Herausgebers

25. Juli 2007, 16:16
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Mit Gerfried Sperl verbindet Alexandra Föderl-Schmid auch die Grundeinstellung, dass man sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben darf - Der STANDARD soll immer besser werden - Von Oscar Bronner

Liebe Leserin, lieber Leser,

dies ist die letzte Ausgabe, die Gerfried Sperl als Chefredakteur verantwortet, Alexandra Föderl-Schmid hat das Ruder bereits übernommen. Keine leichte Aufgabe, aber ich weiß, dass sie das Talent hat, weiterzuführen, worum es uns immer ging: In diesem Land des dominierenden Boulevards Sie mit Qualitätsjournalismus zu versorgen, zu überraschen und gelegentlich auch zu provozieren.

Gerfried Sperl war Chefredakteur einer steirischen ÖVP-Zeitung und ich war - bevor ich ihn kennen lernte - entsprechend skeptisch, ob er der Richtige sein könnte, mir dabei zu helfen, die österreichische Zeitungslandschaft mit der Gründung einer liberalen, weltoffenen und von allen Machtblöcken unabhängigen Qualitätszeitung zu verändern. Obwohl ich schon beim ersten Gespräch merkte, dass uns das gleiche Verständnis von Journalismus verband, überraschte er mich seitdem immer wieder: mit der Bandbreite seiner Interessengebiete, mit seiner Pranke als Blattmacher, mit seiner Energie, andere mitzureißen, und mit seinem Talent, Begabungen zu erkennen und zu fördern.

Besonders dankbar bin ich ihm für die Loyalität, mit der er angesichts der langen Phase der wirtschaftlichen Unsicherheit zum STANDARD gestanden ist.

Und schließlich gehört es auch zu seinen Qualitäten, dass er abtritt, sobald er merkt, dass er "die zum Sieg notwendigen letzten Hundertstelsekunden nicht mehr bringen kann", wie er es selbst als früherer Leichtathlet formuliert hat. Ich freue mich, dass er uns weiterhin als Kolumnist (erstmals gleich kommenden Montag), Berater und Moderator der Montagsgespräche erhalten bleibt.

Alexandra Föderl-Schmid arbeitet seit ihrem 19. Lebensjahr beim Standard. Lange Zeit als Korrespondentin, erst von Oberösterreich, dann von Berlin und Brüssel aus. Nebenbei absolvierte sie ihr Studium (Publizistik, Politikwissenschaft und Geschichte), ein Stipendium in Oxford, und derzeit will sie noch ein MBA-Studium beenden. In Berlin bewies sie ihre Führungsqualität, als sie zur Vorsitzenden des Vereins der Ausländischen Presse gewählt wurde - als erste Frau in der hundertjährigen Geschichte dieses Verbandes. Und in Wien bis heute als Leiterin unseres größten Ressorts: Wirtschaft.

Leider ist es immer noch ungewöhnlich, wenn eine Frau eine Spitzenposition übernimmt. Daher werde ich immer wieder gefragt, ob dies bei der Auswahl eine Rolle gespielt hat. Meine Antwort: Die Chefredaktion ist über die journalistische Arbeit auch für den wirtschaftlichen Erfolg einer Zeitung mitverantwortlich. Da wäre es fahrlässig, sich nicht für die bestmögliche Option zu entscheiden. Neben starken anderen Kandidaten war dies nun einmal Alexandra Föderl-Schmid. Ich gebe aber gern zu, dass ich mich über das Ergebnis unseres Auswahlverfahrens sehr gefreut habe.

Alexandra Föderl-Schmid hat für den weiteren Ausbau der Zeitung viele Pläne. Denn mit Gerfried Sperl verbindet sie auch die Grundeinstellung, dass man sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben darf. Der STANDARD soll immer besser werden.

Ich lade Sie ein, auch die neue Ära des STANDARD kritisch zu begleiten,

Ihr

Oscar Bronner

(DER STANDARD; Printausgabe, 30.6./1.7.2007)

  • Alexandra Föderl-Schmid folgt Gerfried Sperl.
    foto: standard/cremer

    Alexandra Föderl-Schmid folgt Gerfried Sperl.

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