"Selbst Gott könnte gestellte Erwartungen nicht erfüllen"

26. Juli 2007, 14:44
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Apple betritt mit iPhone hart umkämpften Handy-Markt

Apple will mit seinem iPhone den phänomenalen Erfolg des iPod wiederholen. Doch diesmal dürfte es für den Computerkonzern bedeutend schwerer werden: Denn er betritt einen bereits hart umkämpften Markt, auf dem Branchenriesen wie Nokia und Sony Ericsson schon sehr ähnliche Musik-Handys anbieten und der Blackberry von RIM einen Kult-Status genießt.

Der Preis

Und dann ist da noch der Preis. Experten fragen sich: Kann ein Mobiltelefon für 500 bis 600 Dollar (371 bis 446 Euro) auf einem Markt bestehen, in dem der durchschnittliche Käufer weniger als 100 Dollar für ein Handy ausgibt?

"Wenn Apple ein Gerät für 150 Dollar auf den Markt brächte, das würde Sony Ericsson, Motorola, Samsung und LG den Angstschweiß auf die Stirn treiben", sagt Branchenanalyst David Kerr von Strategy Analytics. "Das iPhone hat ein Harry-Potter-mäßiges Interesse beim Verbraucher ausgelöst, aber es wird keine Harry- Potter-artige Verkäufe haben, weil es ein Premiumprodukt ist."

Bereits seit Anfang der Woche harrten Fans in Zelten vor dem Apple-Laden in New York aus

Die entscheidende Frage ist Experten zufolge nicht, ob Apple in den ersten Tagen viele der Geräte mit dem charakteristischen berührungsempfindlichen 3,5- Zoll Bildschirm verkaufen wird. Denn davon kann man ausgehen: Bereits seit Anfang der Woche harrten Fans in Zelten vor dem Apple-Laden in New York aus, damit sie beim US-Verkaufsstart am Freitagabend auch ja die ersten Käufer sein konnten. Vielmehr gehe es darum, wie gut Apple langfristig aus zwei Modellen mit entweder vier oder acht Gigabyte Speicher eine ganze Produktfamilie machen könne. "Wichtig ist, was nach den ersten 90 Tagen passiert", sagt Michael Gartenberg von Jupiter Research. Auch die Forschungsgruppe Gartner warnt, dass Apple innerhalb von neun Monaten ein preisgünstigeres Modell auf den Markt bringen müsse, um erfolgreich zu sein. In Europa kommt das iPhone erst gegen Ende des Jahres auf den Markt.

Selbst Gott könnte gestellte Erwartungen nicht erfüllen

Ein weiteres Problem könnten die Erwartungen sein, die sich inzwischen für das Handy aufgebaut haben. "Gott selbst könnte kein Gerät schaffen, das die Hoffnungen erfüllt, die mit dem iPhone verbunden sind", sagte der EDV-Professor David Platt von Harvard. Seitdem Apple-Chef Steve Jobs auf einer Computermesse im Januar das erste iPhone aus der Hosentasche seiner Jeans zog und die Zuschauer mit seiner Vorführung von den Sitzen riss, ist Apples Aktie um 35 Prozent gestiegen. "Heute darf man nicht zu viel versprechen", warnt Experte Robert Passikoff von Brand Keys. "Denn die Konsumenten sind gnadenlos."

Die ersten Testberichte sind allerdings positiv. Walter Mossberg, seit 15 Jahren beim "Wall Street Journal" für Technik zuständig, spricht von einem wunderschönen Gerät, das trotz einiger Mängel und fehlender Funktionen ein Durchbruch bei tragbaren Computern darstelle. Insbesondere wies er Befürchtungen zurück, das Tippen auf dem Bildschirm statt auf richtigen Tasten könne ein Problem sein. "Das iPhone ist ein ganz neues Erlebnis und es ist eine Freude, damit zu arbeiten", lautet sein Fazit. Auch sein Kollege David Pogue von der "New York Times" zeigte sich überwiegend zufrieden.

Beachtliches

So oder so hat Apple laut Gartner bereits Beachtliches erreicht. Ohne überhaupt ein Produkt auf den Markt gebracht zu haben, so die Analysten, sei der Computerkonzern in kurzer Zeit zu einer der wichtigsten Marken für Handys geworden. (von Sinead Carew/Reuters)

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