"Ich weiß nur, dass ich malen muss..."

1. Juli 2007, 09:00
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Ein Porträt der mexikanischen Malerin Frida Kahlo, die am 6. Juli 100 Jahre alt geworden wäre - mit Ansichtssache

Bilder des Schmerzes, des Leidens, der körperlichen als auch seelischen Qualen. Doch kaum gebeugte Gestalten, die beinahe ausnahmslos sie selbst darstellen: Frida Kahlo. Immer aufrecht mit durchdringendem, nicht leidendem Blick. Beinahe herausfordernd sowie das Schicksal, das ihre versehrte Körperlichkeit betreffend, gnadenlos war. Dagegen steht die Buntheit der Welt - Erde, Himmel, Tiere und Pflanzen lebendig und schillernd.

Die Kahlo wurde dem Surrealismus zugeordnet, eine Kategorisierung, welche sie selbst strikt von sich gewiesen hat: "Das ist nicht richtig. Ich habe niemals Träume gemalt. Was ich dargestellt habe, war meine Wirklichkeit" (zit. in "50 Klassiker - Künstlerinnen", hg. von Christina Haberlik und Ira Diana Mazzoni, Gerstenberg 2002). Dementsprechend kann ihr umfassendes Werk als ihre in Bildern wieder gegebene Autobiografie gesehen werden, vermutlich mit dem Versuch, ihren tragischen Unfall mit den fatalen Konsequenzen zu verarbeiten.

Ein Unfall veränderte ihr Leben

Dieser Unfall passierte im Jahr 1925, als Frida und ihr Freund Alejandro Gómez Arias mit dem Bus von der Schule nach Hause fahren wollten. Es kam zu einem Zusammenstoß mit einer Straßenbahn, der Bus wurde in zig Teile zerborsten. Während Alejandro mit einigen Prellungen davon kam, blieb Frida schwerst verletzt liegen und wurde zuerst für tot befunden. Eine Metallstange hatte sich durch ihren Rücken gebohrt und war durch die Vagina wieder ausgetreten. Die Diagnose: Bruch des dritten und vierten Lendenwirbels, drei Beckenbrüche, elf Brüche des rechten Beines und vieles mehr... Mit ihren achtzehn Jahren war Frida ein Wrack, aus dem geplanten Medizinstudium konnte nun nichts werden. Ihr Los hieß nun liegen, nichtstun, denken, leiden. Eine Operation jagte die andere, Schmerzen, nichts als Schmerzen.

Malend im Bett

Ihrer Mutter ist es zu verdanken, dass Frida Kahlo zu malen begann. Mit einer speziellen Konstruktion über dem Bett begann sie ihre Relität, ihre Ängste und Sehnsüchte auf Papier zu bringen. Zuerst war es immer Alejandro, den sie abbildete. Eine Liebe, die zum Scheitern verurteilt war, denn er konnte den großen Belastungen nicht standhalten. Ihren späteren Ehemann, den bekannten Maler Diego Rivera, hatte sie bereits als Mädchen bewundert. Als sie 1928 der Kommunistischen Partei beitrat, lernte sie den um zwanzig Jahre älteren Mann kennen und lieben. Eine intensive, leidenschaftliche, aber auch aufreibende Beziehung, die von Trennungen aufgrund vieler Affären unterbrochen war.

Frida hätte gerne Kinder gehabt, was wegen ihres versehrten Leibes nicht möglich war. Nach einer Fehlgeburt und zwei notwendigen Abbrüchen fand sie sich damit ab und thematisierte auch diese Enttäuschung in ihren Bildern. Zum Kinderersatz wurden dafür winzig kleine Schoßhündchen, die sie ständig um sich hatte und ebenfalls bildlich darstellte.

Unendliches Leid

Etwa Anfang der 1940er verschlechterte sich ihr körperlicher Zustand zusehends. In dieser Zeit entstand auch "Die zerbrochene Säule", auf dem sich eine Eisenstange durch den offenen Leib bohrt. Überall an ihrem Körper, der lediglich durch Gurte zusammen gehalten werden kann, stecken Nägel. 1950 musste sich Frida Kahlo wieder etlichen Operationen vor allem an der Wirbelsäule unterziehen. Neben den physischen Schmerzen litt sie an Depressionen. Nach der Vernissage ihrer Einzelausstellung in Mexico City 1953, an der sie liegend teilnahm, wurde ihr rechtes Bein bis zum Knie amputiert. 1954 erkrankte sie an einer Lungenentzündung. Während die offizielle Todesursache Lungenembolie lautet, hält sich das Gerücht eines Suizids standhaft.

Frida Kahlo starb am 13. Juli 1954 in Coyoacán. (dabu)

Link

Zur Anssichtssache

Nachlese

Frida Kahlo-Schau in Mexiko-Stadt

Buchtipps

Zu Kahlos 100. Geburtstag sind etliche neue Bücher und Bildbände über die Galionsfigur der mexikanischen Kunstgeschichte und Frauenbewegung erschienen:

  • Isabel Alcantara: Frida Kahlo & Diego Rivera
    Prestel Verlag, München
    123 S. m. Abb. u. Anh., Euro 25,70
    ISBN 978-3-7913-3798-2

  • Slavenka Drakulic: Frida
    Zsolnay Verlag, Wien
    176 S., Euro 18,40
    ISBN 978-3-5520-5408-0

  • Karen Genschow: Frida Kahlo. Leben - Werk - Wirkung
    Suhrkamp Verlag, Frankfurt
    Taschenbuch
    143 S. m. Abb. u. Anh., Euro 9,20
    ISBN 978-3-5181-8222-2

  • Frida Kahlo: Jetzt, wo Du mich verlässt, liebe ich Dich mehr denn je
    Verlag SchirmerGraf, München
    368 S., Euro 10,30
    ISBN 978-3-8655-5002-9

  • Frida Kahlo: Dir sende ich mein ganzes Herz. Liebesbriefe
    Verlag SchirmerGraf, München
    159 S., Euro 13,20
    ISBN 978-3-8655-5036-1

  • Renate Kroll: Blicke die ich sage. Frida Kahlo: Das Mal- und Tagebuch
    Reimer Verlag, München
    260 S. m. Abb., Euro 30,80
    ISBN 978-3-4960-1371-6

  • Barbara Mujica: Meine Schwester Frida
    Fischer Verlag, Frankfurt
    Taschenbuch
    464 S., Euro 10,20 ISBN 978-3-5961-5818-8
    • Bild nicht mehr verfügbar
      Frida Kahlo, geboren am 6. Juli 1907 in Coyoacán/Mexico City, gestorben am 13. Juli 1954 ebenda. Hier eine Aufnahme der Künstlerin aus dem Jahr 1932.
    • Bild nicht mehr verfügbar
      "Die erste Frau in der Geschichte der Kunst, die mit absoluter und schonungsloser Aufrichtigkeit die allgemeinen und besonderen Themen behandelt, die ausschließlich Frauen betreffen."
      Diego Rivera (1886-1957) über Frida Kahlo
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