Frankreich: Konzentration in der Wirtschaftspresse löst Proteste aus

16. Juli 2007, 12:22
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Journalisten beunruhigt über möglichen Verkauf von "Les Echos" an "La Tribune"-Inhaber

In der französischen Wirtschaftspresse herrscht Aufruhr. Die Journalisten der beiden größten Finanztageszeitungen "Les Echos" und "La Tribune" haben in den letzten Wochen bereits mehrmals gestreikt und am Freitag eine Demonstration vor dem Pariser Kulturministerium abgehalten. Anlass ist die Absicht des Verlags von "Les Echos", der britischen Pressegruppe Pearson ("Financial Times"), das Blatt an die Luxusgruppe LVMH von Bernard Arnault zu verkaufen, der bereits Eigentümer von "La Tribune" ist.

Die Gewerkschaften SNJ, CGT und CFDT beklagen in einer Aussendung, dass Arnault nach der Transaktion "die gesamte französische Wirtschaftspresse kontrollieren" würde. "Daher haben sich die Belegschaftsvertreter gegen diesen Verkauf ausgesprochen", betonten die Gewerkschaften. Unterdessen kündigte LVMH an, dass der Konzern im Falle einer Übernahme von "Les Echos" die seit 1993 kontrollierte "Tribune" wieder verkaufen würde.

Als Interessent hat sich unterdessen der Industrielle Vincent Bollore angemeldet, der bereits mit der Gruppe "Le Monde SA" an der Gratiszeitung "DirectSoir" beteiligt ist, den terrestrischen Digitalsender "Direct8" besitzt und Mehrheitsaktionär der Tageszeitung "Matin Plus" ist. Er sei an einer Wirtschaftstageszeitung interessiert", sagte Bollore am Donnerstag gegenüber Journalisten und fügte hinzu: "Wenn La Tribune zu verkaufen wäre, würde ich mir das ansehen." Allerdings betonte er auch, dass er noch mit keinem Angebot kontaktiert worden sei.

Medien in den Händen von Indutriellen

In Frankreich befindet sich ein Großteil der Medien in den Händen von Industriellen. So kontrolliert der Flugzeugbauer Dassault das konservative Tagesblatt "Le Figaro", während Lagardere Aktionäre der Abendzeitung "Le Monde" ist und der Inhaber des Luxuskonzerns PPR, Bermard Pinault, das Politmagazin "Le Point" besitzt. Der Bauunternehmer Martin Bouygues ist Inhaber des größten französischen Fernsehsenders TF1.

Die Konzentration der Medien in den Händen von Industriellen erregte bei Journalisten umso heftigere Proteste, als der konservative Präsident Nicolas Sarkozy (UMP) zahlreiche Freundschaften in diesen Kreisen hat. Zum engeren Kreis Sarkozys zählen insbesondere Bollore, auf dessen Yacht der Präsident nach dem Wahlsieg im Mai einen Kurzurlaub machte, sowie seine Freunde Arnault und Pinault.

Aussprache mit Sarkozy

Das "Permanente Forum der Journalistengesellschaften", das die Mitarbeiter von 25 Redaktionen vereint, hat unterdessen "so rasch als möglich" eine Aussprache mit Sarkozy beantragt, um das Thema der Medienkonzentration in Frankreich zu besprechen. Das Forum hat nach eigenen Angaben "konkrete Maßnahmen" ausgearbeitet, um die Unabhängigkeit der Redaktionen zu gewähren, "ohne die legitime Einflussnahme der Verleger zu behindern".

Sarkozys Sprecher David Martinon erklärte sich im TV-Sender Public Senat "äußerst überrascht" über die Forderung des Journalistenverbands. "Ich hätte mir nie vorstellen können, dass man den Präsidenten der Republik aufruft, sich zum Verteidiger der Medien zu erheben", sagte Martinon. (APA)

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