"Tatort" gegen Starprinzip

16. Juli 2007, 12:13
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Am Sonntag geht Ulrike Folkerts im "Tatort" wieder auf Mördersuche, dem STANDARD erzählte sie von Schwimmstilen und "Eva-Prinzip"

STANDARD: Hat sich Lena Odenthal im Laufe der Jahre eigentlich verändert?

Folkerts: Ich denke schon, denn in den vielen Jahren habe ich eine Menge an Berufserfahrung, aber Lebenserfahrung gesammelt. Davon profitiert auch die Figur.

STANDARD: Dem Tatort wird manchmal vorgeworfen, zu sehr Interessen der Tourismusbranche zu vertreten. In Österreich z.B. sehen wir immer besonders schöne Landschaft oder besonders imposante Kulturdenkmäler. Ist die aktuelleFolge eine bewusste Umkehr? Schließlich spielt sie in einem Hotel, in dem man nicht unbedingt untergebracht sein will.

Folkerts: Unser "Tatort", der ja in Ludwigshafen spielt, hat dieses Problem nicht, weil Ludwigshafen eine Industrie und Arbeiterstadt ist, also alles andere als ein Urlaubsort. Dieses Hotel jetzt in diesem "Tatort" ist mehr eine atmosphärische Idee für dieses Thema gewesen.

STANDARD: Die Schauspieler in dieser Folge sind ausgesucht blass. Das erscheint als bewusstes Gegenkonzept etwa zu den US-Hochglanzserien. Ist das so gedacht?

Folkerts: Blass finde ich das falsche Wort. Es sind Menschen, wie es sie überall gibt, keinem Schönheitsideal oder Star ähnlich, sondern Charaktere mit ihren Besonderheiten. Ich mochte das sehr. Die Kleidung ist natürlich nicht unbedingt modern, das mag Ihren Eindruck verstärken.

STANDARD: In "Ich bin eine Insel" durften Sie schwimmen, jenen Sport, den Sie leistungsmäßig betreiben. Sind Sie im Training?

Folkerts: Ich schwimme nach dem "Lust und Laune"-Prinzip und gehe zweimal die Woche und ziehe meine Bahnen in alter Gewohnheit. Kraul und Rücken kann ich am besten. Da streckt sich der Körper so herrlich in die Läng und ich fühle das Wasser. Delphin liebe ich noch mehr, kostet aber am meisten Kraft. Das ist am tollsten mit Flossen und im Meer.

STANDARD: Wie lange können Sie sich vorstellen, den "Tatort" noch zu machen?

Folkerts: Lange, vorausgesetzt die Drehbücher bleiben interessant und die Drehtage werden nicht weniger.

STANDARD: Pläne?

Folkerts: Nach "Ich bin eine Insel" hat der Südwestrundfunk signalisiert mal wieder einen Spielfilm mit mir zu machen. Nur allzu gerne würde ich daran anknüpfen und schnell etwas aushecken, einen neuen Stoff erfinden. Ich bin optimistisch.

STANDARD: Zuletzt waren Sie bei Eva Hermans Talkshow. Wieso kommen ihre Thesen so gut an?

Folkerts: Ich denke, wenn ich selbst überzeugt bin von dem, was ich zu sagen habe, dann wirkt das auch überzeugend und im besten Fall begeisternd.

STANDARD: In "Ich bin eine Insel" spielten Sie in Rock und Bluse. Beim "Tatort" bevorzugen Sie Jeans und Kapuzenshirt. Was ist besser?

Folkerts: Da ich mich eher zu einer sportlichen Frau zähle, ist mir die bequeme Hose und Kapuzenshirt näher und selbstverständlicher. (Doris Priesching; DER STANDARD; Printausgabe, 30.6./1.7.2007/Langfassung)

Zur Person
"Ich liebe Frauen", titelte „Bild“ 1999, seither ist Ulrike Folkerts (46) Deutschlands Vorzeigelesbe. Als Lena Odenthal ermittelt sie seit 1989. 2005 und 2006 spielte sie den Tod im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen.
  • Will lange beim "Tatort" bleiben: Ulrike Folkerts ermittelt Sonntag wieder in Ludwigshafen.
    foto: swr/krause-burberg

    Will lange beim "Tatort" bleiben: Ulrike Folkerts ermittelt Sonntag wieder in Ludwigshafen.

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