Papua-Neuguinea: Fast zweiwöchige Parlamentswahlen begannen

20. Juli 2007, 16:33
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Weitverzweigtes Inselreich - Regierungschef Somare hofft auf Wahlsieg

Port Moresby/Sydney - In Papua-Neuguinea haben am Samstag Parlamentswahlen begonnen. Der Wahlgang soll fast zwei Wochen dauern, weil Stimmabgabe und -auszählung in dem weit verzweigten, nördlich von Australien gelegenen Inselreich mit sechs Millionen Einwohnern kompliziert sind. Ministerpräsident Sir Michael Somare hofft auf seinen vierten Wahlsieg in Folge. Der Urnengang ist bis zum 10. Juli angesetzt.

Mit einem Aufgebot von mehr als 2000 Soldaten und Polizisten wollen die Behörden in Papua-Neuguinea verhindern, dass die Parlamentswahlen wie der vorangegangene Urnengang in Gewalt ausufern. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der dicht bewaldeten Provinz Südliches Hochland, in der die Wahl 2002 in sechs der neun Wahlkreisen wegen der Einschüchterung von Wählern und gewaltsamen Auseinandersetzungen für ungültig erklärt werden musste.

Nationale Allianz

Ministerpräsident Michael Somare hofft, mit seiner "Nationalen Allianz" für eine weitere Amtsperiode bestätigt zu werden. Eine starke Opposition gibt es nicht, da fast zwei Drittel der insgesamt rund 3000 Kandidaten als Unabhängige antreten. Die übrigen bewerben sich als Vertreter von 34 Parteien um die 109 Parlamentssitze.

Nach Angaben der Wahlkommission in Port Moresby gibt es in einem Wahlkreis gleich 69 Kandidaten: Ein Parlamentssitz in dem rohstoffreichen, aber von Korruption geplagten Land gilt als Weg zu persönlichem Reichtum. Die Kontrahenten werfen sich danach oft gegenseitig Wahlbetrug vor. Von unabhängiger Seite ist dies nur schwer zu bestätigen, da hinter den Vorwürfen meist länger schwelende Konflikte zwischen den verschiedenen Volksstämmen stehen.

Unabhängigkeit 1975

Papua-Neuguinea, der östliche Teil der Insel Neuguinea, hat rund fünf Millionen Einwohner. Es wurde 1975 von Australien unabhängig. Der vormals niederländische Westteil der Insel ist die indonesische Provinz Westpapua (vormals Irian Jaya). In dem kupferreichen Gebiet spielten sich Massaker an den christianisierten Papuas ab, die Menschenrechtsgruppen und Missionare als Völkermord beschrieben. Unter australischem Druck hatte Papua-Neuguinea den exilierten Chef der christlichen Befreiungsbewegung Freies Papua ("Organisasi Papua Merdeka"/OPM) Mecky Salosa an Indonesien ausliefern müssen. 1983 flüchtete der damalige OPM-Führer Seth Rumkorem nach Papua-Neuguinea und von dort nach Vanuatu. Auf Veranlassung der australischen Regierung musste er Vanuatu verlassen und ging in die Niederlande ins Exil. (APA/AP/AFP)

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