Händlersterben hält an

24. Juli 2007, 13:50
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Wöchentlich schließen in Österreich fünfzehn unabhängige Kaufleute für immer, die großen Handelsketten werden immer größer

Wien - Das Händlersterben in Österreich hält weiter an. Jede Woche müssen 15 unabhängige Kaufleute in Österreich ihr Geschäft schließen. Gleichzeitig werden die großen Handelsketten immer größer und eröffnen pro Woche rund 9 neue Standorte. Der Anteil der Filialisten, Franchisesysteme und Vertriebskooperationen am gesamten Einzelhandel in Österreich steigt unaufhaltsam, geht aus einer heute, Freitag, veröffentlichten Studie des Marktforschungsinstituts RegioPlan hervor.

Wenn es so weiter geht...

Bereits ein Drittel aller Einzelhandelsstandorte sind filialisiert oder organisiert, bis 2010 wird dieser Anteil auf 50 Prozent steigen. In Österreich gibt es derzeit etwa 51.000 Geschäfte, davon sind ein Drittel oder 17.000 filialisiert. Bis 2010 werde dieser Anteil weiter steigen: Statistisch gesehen kommen auf 1,5 Neueröffnungen der Filialisten 2,5 Schließungen des sonstigen Handels pro Tag. Hält diese Entwicklung an, werden im Jahr 2010 bereits 50 Prozent des gesamten Handels filialisiert und organisiert sein.

Trotz zahlreicher Neueröffnungen der Filialisten wird die Anzahl der Einzelhandelsstandorte jedoch insgesamt weniger und zwar um rund 1-2 Prozent pro Jahr. Die Verkaufsfläche dagegen wächst jährlich um ca. 2-3 Prozent. Das bedeute, dass die Geschäfte insgesamt weniger, dafür größer werden, so RegioPlan. Im Lebensmittelhandel ist in den letzten fünf Jahren die Zahl der Standorte um 3 Prozent gesunken, die Verkaufsfläche aber um 10 Prozent gestiegen.

Bei Outlets hat Tirol die Nase vorn

Im Bundesländervergleich hat Niederösterreich die meisten filialisierten und organisierten Geschäfte, bei der Outlet-Dichte hat jedoch Tirol, mit einem Standort für 157 Haushalte, die Nase vorn. Bei den Branchen ist eindeutig der Lebensmittelhandel die Nummer 1, rund 37 Prozent der filialisierten und organisierten Geschäfte in Österreich sind Lebensmittelhändler.

Der Grund für das Sterben der kleinen und nicht in Franchisesystemen oder Vertriebskooperationen organisierten Geschäfte sei vor allem darauf zurückzuführen, dass diese kaum auf die veränderten Marktbedingungen reagieren, so die Marktforscher. Oft sind sie in schlechteren Lagen angesiedelt oder treten ungewollt mit den großen Konzernen in Konkurrenz, weil sie das Sortiment nicht anpassen, wie sich etwa zu spezialisieren.

Bessere Kundenberatung oder längere Öffnungszeiten bringen langfristig nicht den gewünschten Vorteil gegenüber den Filialisten, ausschlaggebend sei in erster Linie der Betriebstyp und der Standort. Die Erfahrung habe gezeigt, dass nicht unbedingt die Kleinen verlieren, sondern die Langsamen, so RegioPlan-Marketing-Chefin Hanna Bomba-Wilhelmi.

Lebensmittelbranche

Die standortstärkste Branche in Österreich ist der Lebensmittelhandel mit einem Anteil von 37 Prozent, der Bekleidungshandel nimmt einen Anteil von knapp 20 Prozent der filialisierten und organisierten Geschäfte in Österreich ein, der Drogeriehandel 16 Prozent.

Im Bundesländervergleich spielt der Lebensmittelhandel im Burgenland die größte Rolle, im östlichsten Bundesland machen die Lebensmittelhändler 45 Prozent der Standorte aus, den höchsten Anteil an Bekleidungsgeschäften hat Wien mit rund 22 Prozent. Der Schuhhandel ist in Vorarlberg am stärksten vertreten und der Elektrohandel hat es offenbar auf Oberösterreich abgesehen, der hier auf einen Anteil von 10 Prozent kommt. Ganz anders in Wien, wo der Elektrohandel mit rund 6 Prozent noch unterdurchschnittlich vertreten ist. Vergleichsweise unterrepräsentiert ist auch der Drogeriehandel in Kärnten, der Schuhhandel in der Steiermark und in Tirol hätte wohl ein Bekleidungshändler noch Chancen. (APA)

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    In Österreich gibt es derzeit etwa 51.000 Geschäfte, davon sind ein Drittel oder 17.000 filialisiert.

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