Das große kanadische Schaufenster

12. Juli 2007, 07:25
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Zweitgrößte FIFA-Veranstaltung startet am Samstag - Argen­tinien und Brasilien die Topfavoriten - Öster­reich will ins Achtelfinale

Montreal - Am Samstag beginnt zweitgrößte FIFA-Veranstaltung, die gleichzeitig die größte Talente-Schau im Welt-Fußball ist. Mit der Partie Brasilien - Polen wird im kanadischen Montreal um 20:15 Uhr MESZ die 16. U20-WM eröffnet. Österreich absolviert seinen ersten Auftritt in der Nacht von Montag auf Dienstag (1:45 Uhr MESZ) in Edmonton gegen Afrika-Meister Kongo, danach folgen in Gruppe A Duelle mit dem Gastgeber (Nacht von Donnerstag auf Freitag, 1:45 Uhr, Edmonton) und Chile (Nacht von Sonntag auf Montag, 2:00 Uhr MESZ, Toronto).

Für das größte Einzelsport-Ereignis in der Geschichte Kanadas wurden bisher rund 700.000 Karten abgesetzt. 24 Teams spielen in Toronto (Final-Schauplatz), Ottawa und Montreal (jeweils Kunstrasen) sowie in Edmonton, Burnaby und Victoria (jeweils Naturrasen) in sechs Gruppen um den Aufstieg ins Achtelfinale, für das sich die beiden ersten Teams jedes Pools sowie die besten vier Gruppen-Dritten qualifizieren.

Österreich sicherte sich die Teilnahme durch den Semifinal-Einzug bei der U19-EM vor einem Jahr in Polen. Die besten Sechs dieses von acht Teams bestrittenen Turniers sind in Kanada dabei, Großmächte wie Italien, Frankreich, Deutschland oder England verpassten die Qualifikation.

Rekordweltmeister Argentinien

Der Einzug in die Runde der besten 16 ist das erklärte Ziel von Teamchef Paul Gludovatz, zu den Titelanwärtern zählen für den Burgenländer andere Mannschaften. "Man muss sich nur die Liste der letzten Weltmeister anschauen, dann weiß man, dass Brasilien und Argentinien immer zu den Favoriten gehören", erklärte Gludovatz. Auch den im Nachwuchs-Bereich traditionell starken Spaniern und Portugiesen räumt er gute Siegeschancen ein.

Tatsächlich wurden die vergangenen WM-Turniere von den Südamerikanern dominiert. Von den jüngsten sechs Auflagen gewann Titelverteidiger Argentinien gleich nicht weniger als vier und ist mit insgesamt fünf Titeln U20-Rekordweltmeister, dahinter folgen die Brasilianer mit vier Erfolgen.

Wenig überraschen würde es, kämen auch die besten Spieler aus diesen Mannschaften. Große Stücke werden etwas auf den 19-jährigen Sergio Aguero (Atletico Madrid) gehalten, der mit seiner perfekten Technik und seinem explosiven Antritt schon als neuer Lionel Messi gehandelt wird. Messi hatte die Argentinier vor zwei Jahren in den Niederlanden als bester Spieler und bester Torschütze des Turniers zum Titel geführt, auch diesmal wäre er aufgrund seines Alters noch spielberechtigt - allerdings ist er für das A-Team bei der bereits laufenden Copa America unabkömmlich.

Auch ein brasilianischer Rohdiamant könnte sich ins Rampenlicht spielen. Der erst 17-jährige Alexandre Pato war im vergangenen Dezember wesentlich daran beteiligt, dass sein Verein Internacional aus Porto Alegre dem großen FC Barcelona den Club-WM-Titel wegschnappte. Laut englischen Medienberichten ist der Wechsel von Pato für eine Ablöse von 26,7 Millionen Euro im Winter zu Chelsea so gut wie fix.

Schon in der Vergangenheit ist so mancher Stern bei einer U20-WM aufgegangen. 1979 sorgte ein überragender Diego Maradona praktisch im Alleingang für einen argentinischen Turniersieg, 1983 triumphierten die späteren brasilianischen A-Weltmeister Bebeto, Dunga und Jorginho, 1991 stemmte Portugals "Goldene Generation" um Luis Figo und Rui Costa den Pokal.

Salzburger Abordnung

Die Vielzahl an Talenten zieht auch eine Heerschar von Scouts an. Hunderte Spione aller großen europäischen Clubs haben bereits ihr Ticket für Kanada gebucht, zu ihnen zählen auch vier Vertreter von Red Bull Salzburg. Nachwuchschef Heinz Hochhauser, Didi Emich und Manfred Linzmaier als Scouts für die Profi-Mannschaft sowie Heiko Laessig als Chefscout für den Nachwuchs-Bereich werden vor Ort sein und jedes der 36 Gruppenspiele von unter die Lupe nehmen.

Der überwiegende Teil der besten U20-Spieler ist aber ohnehin schon bei namhaften Klubs unter Vertrag oder werden von diesen bearbeitet, wie Hochhauser weiß. "Für uns ist eine U17-WM eigentlich wichtiger, denn da kann man noch leichter vielversprechende Talente bekommen", sagt der ehemalige HTL-Professor. Bei den Salzburgern sind insgesamt zehn Personen haupt- oder nebenberuflich mit dem Scouting beschäftigt. (APA/red)

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    Der Präsident des gastgebenden kanadischen Fußballverbands, Colin Linford (li) und der WM-Pokal.

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